„Großvater,“ sagte Gertrud, „lebst nur du noch allein von allen?“
Da hörte er, daß eine leise Angst in ihrer Stimme lag.
Und er wußte, daß es das war:
Oben an der Höhe, die gleich hinter dem Städtchen ansteigt, und die ein kleiner Laubwald krönt, da war, einige hundert Schritte von der breiten Straße entfernt, eine junge Eichenpflanzung. Er ging dort gern hin. Er setzte sich manchmal im Sommer auf einen der Stümpfe, die dort als Reste von früheren Bäumen zwischen den jungen, schwanken Stämmchen standen, und hörte zu, wie es in den Wipfeln leise rauschte und sah, wie die Sommerluft in der Sonne zitterte.
Und er gedachte aller der alten Bäume, die hier vor Zeiten gestanden hatten, und was aus ihnen geworden sei, und sah liebend auf die jungen, die noch so schwank waren und im ersten Saft standen. Und es war ihm tröstlich in der Seele der jungen Bäume, daß dort drüben über dem Weg noch ein alter, knorriger Eichbaum stand. Nicht eben einer der schönsten, aber doch einer der alten.
Denn er umfaßte liebenden Gemütes alles, was geschaffen war.
So verstand er nun das leichte Zittern in seines Kindes Stimme: wo sind die andern? Und bleibst du? Du bleibst doch?
„Allein?“ sagte er. „Nein, wir sind noch zu vieren.“
Und er streichelte ihr Gesicht. „Noch stehst du nicht in der ersten Reihe,“ dachte er. „Wie lang noch? Aber ich will nicht darum sorgen. Es ist nichts zu fürchten. Die ganze Welt ist Gottes Haus. Du kommst ihm nicht aus den Händen.“ Da richtete er sich stramm auf und holte neue, frohe und starke Bilder aus seinem Bilderbuch, und wie er erzählte, dehnte sich ihnen, ihm selbst und den Kindern, die Welt, und wurde vorwärts und rückwärts und zu beiden Seiten groß und weit und war voll lebendigen Lebens.
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