„Weißt du was?“ sagte sie.

„Gestern, als der starke Wind ging, der die Läden herumwarf und die Straßenlaternen fast auslöschte, da steht sie in der Küche bei Marie, die ohnehin ein Hasenfuß ist.

‚Hörst du?‘ sagte sie, ‚nun ist das Wuotesheer in der Luft. Hörst du, wie sie johlen und in die Hörner stoßen, und wie die Hunde bellen?‘

Da fängt die Marie an zu stöhnen: Uh, ich fürcht’ mich. Uh, ich geh’ nicht mehr an den Brunnen um Wasser. Meinetwegen hol’ Wasser, wer will, ich nicht. Dazu hab’ ich mich nicht verdingt, daß ich dem wilden Jäger in die Hände laufe. Und Gertrud nimmt den Eimer und geht selbst und kommt wieder mit einem Gesicht, als ob ein Fest sei: ‚prachtvoll ist das. Ich geh’ nochmals.‘

Jetzt frag’ ich dich: ist das ein Bub’ oder ein Mädchen? Gehört so ein Kind in die Lateinschule unter lauter Buben hinein?“

Der Herr Rektor ließ die Frage vorläufig offen.

Vielleicht dachte er, es komme noch mehr dazu.

Da hatte er nicht so unrecht.

„Ja, Mann, das Latein. Du lachst, ich weiß es. Aber es drückt mir das Herz ab. Ich muß es nun einmal sagen.

Da war bei uns zu Haus, in meiner Heimat, eine Frau. Sie hatte ja wohl früher einen Mann gehabt, aber der war nun lange tot. Die konnte auch Latein, jedermann wußte das. Sie kannte alle die heidnischen, alten Schriftsteller, wie unsereins sein Kochbuch. Kurzes, schwarzes Haar hatte sie, und so etwas wie einen Schnurrbartanflug. Und sie war der Schrecken aller guten Leute, aller netten, geordneten.