Es ist damit nicht gesagt, daß dieser, der jüngste Sohn des Hauses Ehrensperger, kein volles Heimatrecht in der Stube seiner Väter genossen hätte. Es war kein einziges streitsüchtiges oder mißgünstiges oder sonst ungerechtes Element in dieser Stube. Er war nur niemand da, der mit den Augen des Rektors Cabisius, oder mit den Augen einer Mutter zugesehen hätte, was da werden wolle.
Und es war jetzt gerade ein unbehaglicher Zeitpunkt. Es mußte ein Entschluß gefaßt werden, und, ohne dem Meister Ehrensperger irgendwie zu nahe zu treten, muß doch von ihm bekannt werden, daß es nicht zu seinen Liebhabereien gehörte, Entschlüsse zu fassen.
Er hielt es für einen Vorzug, wenn die Dinge von selber ihres Weges gingen. Jetzt dies, jetzt das, immer eins aus dem andern.
Es war ihm etwas unbehaglich zu Mute. Er kaute stumm und schwer, und auch Georg fing an, desgleichen zu tun. Aber er sah seinem Vater dabei fragend in die Augen. Das pflegte er seit einiger Zeit öfters zu tun, nicht ohne Grund. Denn der Vater sollte einmal zu dem Rektor gehen und mit ihm besprechen, „wie die Geschichte nun weiter laufe.“
„Gehst du heut?“ sagte der fragende Blick.
Nun wird vielleicht mancher verstehen, daß es störend ist, während des Essens mit fragenden Augen angesehen zu werden.
Das ging dem Vater Ehrensperger nicht anders.
Er wurde nicht leicht hitzig. Es lag nicht in seiner Natur, hitzig zu werden. Aber dies ging ihm gegen den Strich.
„Bub,“ sagte er, und stellte das leere Mostglas auf den Tisch, daß es dröhnte, „Bub, guck nicht so.“
Aber damit war nichts erreicht, das fühlte der Vater selbst.