Und es wuchs ihm der Mut, den sauren Apfel, den er nun schon lang in den Händen hin und her drehte, — nicht anzubeißen.

„Du,“ sagte er, als der Junge vor sich hinsah wie einer, mit dem das Schicksal hart verfährt, der aber gesonnen ist, sich nicht allzuviel draus zu machen, „du, ich hab’ mir das überlegt. Ich brauch’ da nicht hinzugehen, ich versteh’ so nichts vom Studieren.

Ich, ich hab’ seither gezahlt, was es kostet, und, ja, und ich zahl’s auch nachher noch. Das ist die Hauptsach’. Gar so viel wird’s nicht mehr kosten, was meinst?“

Das wußte Georg nicht so genau und sagte das auch, obgleich Jungfer Liese lebhaft mit dem Kopf nickte in der Hoffnung, daß „es“ nicht mehr allzuviel koste.

„Ja, also, und jetzt sag’s, es kommt auf dich an. Was willst jetzt werden? Lateinisch kannst und also studiert muß sein, aber ich sag’ da nichts drüber. Denn warum? Einen Lernkopf hast du, und was es kostet, zahl’ ich. Wiewohl, es ist eine Hungerleiderei nachher. Das sieht man am Vetter Häberle.“

Der Vetter Häberle war Präzeptor in einer größeren Stadt, und hatte sechs Kinder und eine leidende Frau, und die ganze Familie sah etwas blutarm aus und war dem Meister Ehrensperger eine Warnungstafel vor „der hungerleidigen Schulmeisterei“.

„Ich werd’ kein Hungerleider, ich werd’ Pfarrer,“ sagte Georg etwas patzig. Es ward ihm doch ein bißchen unsicher, daß er das so für sich entscheiden sollte.

„Was?“ sagte der Vater, „Pfarrer? Jetzt wird’s Tag. Wie kommst du denn grad auf einen Pfarrer?“

Und alle drei hörten zu essen auf und legten die Arme auf den Tisch, um recht fest zusehen und zuhören zu können, was nun käme. Nicht, daß sie etwas dagegen gehabt hätten, gegen das Pfarrerwerden nämlich. Aber es war ihnen so ein erstaunlicher Gedanke, daß dieser hier, der jüngste, an dem Jungfer Liese mehr als genug zu meistern hatte, daß der einst in einem langen, schwarzen Rock hier herumgehen und ihnen allen gelegentlich den Leviten lesen würde. Und daß er dereinst das schöne, vornehme Stadtpfarrhaus mit den Rolläden bewohnen und da heraustreten und von jedermann gegrüßt werden würde. An die Kanzel, da durften sie schon gar nicht denken. Da stand er und hatte einen Kirchenrock an und Bäffchen und sagte: in dem Herrn Geliebte!

Das alles schoß den dreien so geschwind durch die Gedanken, da konnten sie schon auf ihn hin staunen.