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Hollermann saß am Fenster, als Georg zu ihm kam. Die Morgensonne lag auf ihm und füllte sein Stübchen; man sah, er wärmte sich daran. Er fror so oft in letzter Zeit, er war auch recht hinfällig geworden. Man konnte nicht recht sagen, was ihm fehlte, er hatte nur, wenn er ging, einen müden Tritt, und seine Haltung war nachlässig und schlaff. Manchmal schlief er so sitzend ein und dann, wann er erwachte, konnte er sich nicht recht besinnen. Auch vergaß er hie und da, was in der neueren Zeit geschah, das Alte, das konnte er gut behalten.

„Nun gehst du,“ sagte er. „Nun hat das alles ein Ende, was wir so miteinander getrieben haben. Du bist in der Stadt und ich sitze hier und warte auf dich. Wenn du kommst, mußt du mir alles vorspielen, was du bis dahin gelernt hast. Das ist so um Weihnachten herum, nicht? Heißt das, wenn ich nicht vorher —“ er sah mit einem schnellen, glänzenden Blick auf und machte eine auffliegende Bewegung mit der Hand.

Ein weiches Lächeln ging um seinen Mund. Nun sah er aus, wie ein Kind, das ein wenig von einem schönen, frohen Geheimnis enthüllt und es schnell wieder zudeckt, um die Freude nicht vorweg zu nehmen.

— „Was ich bis dahin gelernt habe? Da ist nichts vorzuspielen.“ Georg bemühte sich, sehr viel Festigkeit in seinen Ton zulegen. „Dazu ist keine Zeit, jetzt nicht. Ach, ich glaube, überhaupt nicht. Das habe ich auf die Seite gelegt. Ich muß furchtbar fleißig sein, daß ich nach einander mit allem fertig werde.“

Da sah der Alte sehr erschrocken aus.

Nun hatten sie alles so schön ausgemalt.

„Wenn du das aber in dir drin hast,“ sagte er kleinlaut.

„Was mein Großvater war, der alte Schäfer Hollermann, der pflegte zu sagen: ‚was drin ist, das will heraus. Das läßt sich nicht totdrücken.‘ Nun ist das so. Was willst du denn nun werden?“

„Pfarrer,“ sagte Georg. „Das weißt du doch. Das ist furchtbar schwer, das kannst du dir denken.“