Nun kam er heute morgen und fand es noch zu früh, um der Frau Rektorin Lebewohl zu sagen und hätte gern noch einen kleinen Schwatz mit ihr getan. Da stand er wie gewöhnlich an der hinteren Haustür, die nach dem Garten führt und rief mit langgezogenen Ton ihren Namen. Ger — — trud. Sie aber saß oben hinter einem Buch und stopfte die Finger in die Ohren, um ihn nicht zu hören.
Sie hörte ihn aber doch; der Schelm flog über ihr Gesicht, und sie tat noch eine Weile, als ob sie läse. Dann stand sie auf und ging gemütlich hinunter.
„Hast du mich gerufen? Es war mir so.“
„Ja, schon zwanzigmal. Wo steckst du denn?“
„Ich? Oben. Warum?“
„Warum? Sei doch nicht so. Ich gehe heute fort. Du, ich muß dir noch sagen, daß — — —“ Da kam irgend etwas ganz notwendiges zum Vorschein.
Denn er mußte ihr alles erzählen, auch jetzt. Seine spartanische Suppe schmeckte ihm nur, wenn er sie mit ihr teilen konnte. Ja, und wenn er ihr auch eine einbrocken konnte. Das tat er auch, oft genug. Und es gewährte ihm eine sonderbare Befriedigung, wenn sie das Gesicht verzog.
Er fing seit einiger Zeit an, von all den jungen Leuten als von seinen Freunden zu reden. Das durfte er ja gern. Aber erstens entsprach es nicht recht dem Tatbestand, und zweitens legte er eine Herausforderung in seinen Ton.
„Mein Freund so und so.“ Damit fing jedes Gespräch an.
Heute auch. Gertrud wunderte sich. „Der auch? Und der auch? Das sind alles deine Freunde? Das hast du sonst nie gesagt.“