„Ja. Hast du was dagegen? Sind alle aus meiner Klasse. Natürlich.“

Sogar von Ernst Daxer sagte er seit einiger Zeit immer: „mein Kamerad Daxer. Das sagt er, das tut er.“ Aber immer: „mein Kamerad Daxer.“

Gertrud war es fremd dabei zu Mute. Nun ging er nicht als landfahrender Geiger in die weite Welt. Kein abenteuerlicher Plan kam ins Werden. Aber nun entfernte er sich in anderer Weise von ihr. Sie wußte nicht, daß er wieder einmal einen zu starken Anlauf genommen hatte und übers Ziel hinausschoß. Sie versuchte aber, tapfer mitzugehen.

„Du, das wird fein. Wenn du in die Vakanz kommst, dann machen wir gerade so weiter. Es wird sein, als ob du gar nicht fort gewesen wärst. Du mußt mir alles erzählen und ich dir.“ Er tat, als ob das unwahrscheinlich sei.

„Das sind Bubengeschichten, was ich jetzt erlebe,“ sagte er. „Das interessiert Mädchen nicht so. Und da kommen auch alle meine Freunde nach Haus. Bis man da an allen herumkommt, das nimmt viel Zeit.“

Da hatte sie ihre schwarze Suppe. Sie schluckte daran, sie war scharf gepfeffert.

Er schielte nach ihr hin, ohne den Kopf zu drehen. Er konnte die freie Männlichkeit noch nicht so recht vertragen. Er war ja doch da zu Hause; sie gehörte ja so sicher zu ihm, daß er sie auch kecklich ein bißchen quälen durfte. Aber nun war es ihm doch unbehaglich.

„Ich freue mich aufs Läuten in der Sylvesternacht,“ sagte er unvermittelt. „Und aufs Kindleinwiegen in der Christnacht. Da gehen wir auf den Turm, nicht? Du, sagst du gar nichts?“

„Wer geht? Deine Freunde und du?“

„Ach, Dummheiten, du und ich. Sei nicht so empfindlich. Mädchen sind immer empfindlich, Buben nicht.“