Da war er wieder auf der Straße, da wogten die Menschen um ihn her, sonntagsfroh, geputzt, und manche laut und lustig. Und der Abstand zwischen hier draußen und dort drinnen war groß.
Da schlug ein Kinderweinen an sein Ohr. An einem Laternenpfahl lehnte ein Bübchen, das weinte bitterlich. Es war ärmlich angezogen und hatte ein verschmiertes Gesicht und seine krummen Füßchen steckten in Schlappen, die ihm viel zu groß waren.
Ich weiß nicht, ob es davon kam, daß er aus der Kleinstadt war, wo alles Menschenwesen näher beieinander ist, oder wovon es kam; aber es war schlechterdings unmöglich, hier vorbeizugehen.
Was gibt’s, Bürschlein? sagte er und besah sich den Jammer.
Das Bübchen hielt mit Schluchzen inne und sah mit großen Augen auf. Es hatte sich verlaufen und war sich dessen mit Schrecken bewußt geworden, und war sich so unmenschlich verloren vorgekommen. Wie ein Sternlein, das die Milchstraße verlassen hat und sich nun im Weltall nicht mehr zurechtfindet.
Aber der junge Herr hier, der eine rote Mütze trug und sich zu ihm niederbeugte, der hatte so etwas in seinem Gesicht, das einem neuen Mut machen konnte.
Da fuhr sich das Bübchen mit dem Ärmel über das tränennasse Gesicht, schob eine schmutzige, kleine Hand in die große, und setzte sein krummes Beinwerk in Bewegung.
„Ich weiß nicht, wo meine Mutter ist,“ sagte der kleine Kerl, „zeig’ mir’s.“ Es war ungemein selbstverständlich. Es gab gar keine Frage mehr.
Ja, so hatte es Georg Ehrensperger freilich nicht gemeint. Er sah sich einen Augenblick um. Die Leute hatten heute so viel Zeit; sie fingen schon an, stehen zu bleiben und zuzusehen.
„Ich weiß nicht, wo deine Mutter ist,“ sagte er; die kleine Hand fallen zu lassen, das wagte er aber nicht.