Das ist oft so eine Antwort, die sie in sich spürt.

Darauf getraut sie sich’s und sagt, sie sei halt doch die Mutter und habe so viel Schmerzen um ihn gehabt und sie müsse es zugeben, sie habe auch manches versehen an ihm, das müsse sie wieder gut machen. Zum Beispiel, daß sie ohne alle Liebe den Schmidberger genommen habe, bloß um eine Frau zu werden, da sie doch gesehen habe, daß er das Büblein als Last empfinde.

Und daß sie nicht besser für den Gottlieb eingetreten sei, wenn der Mann ihn geschlagen habe. Auch habe er das heiße Blut von ihr geerbt, dafür könne er nichts. Solche Sachen hält sie in ihrem Herzen dem Herrgott vor und horcht begierig, was er sagt.

Aber er sagt gar nichts. Er schweigt.

Heut abend, da oben, ist ihr’s, er fahre auf dem Wolkenwagen dahin und sei der Feldmarschall und übersehe das Ganze.

Es wird ihr, als müsse sie knieen und schier ohne daß sie es weiß, tut sie es auch.

Die Wolken bilden jetzt ein großes Heerlager auf der einen Seite des Horizonts. Da scheinen sie stillzustehen und auf etwas zu warten. Dann kommt eine große, lichte Stelle, von der die Sterne niederfunkeln und die sich zusehends vergrößert. Ein langes, schmales Wolkenschiff aber löst sich aus der Gruppe, die hinten über den Wald hängt, segelt langsam durch das dunkle Blau und über die Sterne hin, und gesellt sich zu dem stummen Heer.

In der lebendigen Mauer des Waldrandes regt es sich gewaltig. »Singen!« befiehlt der Wind, da stimmen die Wipfel einen mächtig brausenden Chorgesang an, der pflanzt sich weiter, tausendstimmig.

Die Schmidbergerin spürt, wie ihr eine Welle mächtig vom Herzen nach den Augen emporsteigt und auf der Welle zittert etwas: ein sich Hingebenwollen, ein Stillseinwollen, ein Drang, das bißchen Ich mitsamt den großen Schmerzen und der großen Liebe da mitströmen zu lassen.

»Ich bin ein dumm’s Weib,« denkt sie in ihrer Kleinheit. »Für mich könnt’ ich’s ja nicht verlangen, aber auf den Gottlieb wird unser Herrgott schon ein Aug’ haben, von ihm selber aus, wenn’s auch schon« – da wallt es doch bedenklich im Innern – »wenn’s auch schon so viele sind, auf die er achten muß.«