Es war jetzt alles still und von einer linden Gelassenheit in ihrem Innern, sie meinte, ihrer Lebtag noch nie so wohlmachend geweint zu haben, und ihr Gottlieb samt seinen Kameraden hätte spüren müssen, wie sie ihnen ein »gut Nacht« hinüber sandte in das fremde Land, wenn nicht eben der Wind in umgekehrter Richtung gegangen wäre.
Als sie in ihrer Kammer lag, hob es sachte an, zu regnen. Da horchte sie, wie es leise plätscherte, und sagte: »Es hat’s gebraucht. Es hat schon den ganzen Tag regnen wollen und nicht können.«
Am andern Tag kam ein Brief vom Gottlieb, den die Mutter niemand lesen ließ, so dringlich auch die Lene danach fragte.
»Nimm mir’s nicht übel,« sagte sie, und ihr Gesicht hatte einen seltsamen Glanz, »er ist bloß für mich. Weißt, wenn dein Büble einmal groß ist, und wer weiß, vielleicht auch fort, oder, kann sein, im Krieg, dann gibt’s einmal eine Stund’, da redet er mit seiner Mutter ganz allein. Mutterseelenallein. Und das ist vielleicht das Schönste, was du überhaupt erlebst an ihm.«
Die Lene schüttelte den Kopf. Vielleicht ging eine Ahnung künftiger Schmerzen und Schönheiten durch ihr Herz. Es ging nur, wie die Mutter sagte, alles langsamer in sie hinein.
»Schreibt er denn gut?« fragte sie. »Bloß, daß ich’s sagen kann, wenn mich die Leut’ fragen.«
»Er schreibt gut,« sagte die Mutter. »Paß auf, was wir noch an ihm erleben. Er ist nicht umsonst im Krieg gewesen.«
Sonst kam nichts mehr. Da trat der Besitzer vom Wochenblatt in den Laden. Er kaufte Zigarren und zündete gleich eine an.
»Was ich noch sagen wollte, Frau Schmidberger, haben Sie gute Nachrichten von Ihrem Sohn?«
»Dank’ der Nachfrage, ja das hab’ ich.«