»Da ist man froh in solchen Zeiten.«

»Jawohl, das ist man schon.«

»Wäre es unbescheiden – es interessiert einem doch auch, was die tapferen Söhne der Stadt angeht – er hat gewiß viel erlebt in letzter Zeit?«

»Ja,« sagte die Mutter, »er schreibt, was man jetzt erlebt, das wäre genug für ein ganzes langes Leben.«

Da sah der Zeitungsmann, daß nichts mehr folge und empfahl sich höflich und ein bißchen ärgerlich. Denn er brachte gern gutgeschriebene Feldpostbriefe in seinem Blatt und wer wußte, ob ihn jetzt nicht die Konkurrenz bekomme?

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Drei Tage nachher bekam die Schmidbergerin wieder zwei Briefe, die konnte jedermann lesen, der Lust dazu hatte.

Der eine kam von des Gottliebs Regiment und meldete, daß der Unteroffizier Schmidberger am 28. des Monats bei einem Sturmangriff gefallen sei, und es tue seinen Vorgesetzten und Kameraden leid, denn er sei ein tapferer und beliebter Soldat gewesen.

Der andere war von schreibungewohnter Hand, die mühsam die Buchstaben nebeneinander hingestellt hatte und hieß:

»Indem wir es einander versprochen haben, daß der eine dem andern den Dienst tut, und wenn er fällt für ihn heimschreibt, so schreibe ich Ihnen, daß mein Kamerad Schmidberger heute Abend um sieben Uhr einen Schuß in die Brust bekommen hat, und in einer Viertelstunde tot gewesen ist. Ich habe nicht bei ihm bleiben können, denn wir haben müssen die Stellung vollends nehmen, aber wie wir sie gehabt haben, bin ich zu ihm hingegangen, da war er schon verschieden ohne Kampf, denn er lag ganz freundlich da. Und haben wir ihn mit zwölf andern sogleich begraben und das sind lauter gute Kameraden gewesen und liegen gut beieinander im Feindesland.