Und umsonst sind sie nicht gefallen, denn die Stellung haben wir, und haben sie nötig gebraucht. Nun schreibe ich Ihnen bloß noch das, daß mein Kamerad Schmidberger für das Vaterland gestorben ist, einen schönen Tod.

Mit freundlichen Gruß Ihr
Paul Seidenschwanz, Musketier.«

Die Tochter Lene empfing die Leute, die kamen in die Ladenstube, hatte ein schwarzes Kleid an, und schluchzte hie und da ein bißchen.

»Erst vorige Woche hab’ ich ihm noch ein Feldpostpaket geschickt,« sagte sie, als einmal ein Häuflein beisammen war. »Das wird er wohl nicht mehr bekommen haben.«

»Jetzt hätt’ er’s erst noch zu etwas bringen können,« sagten die Schluderbacher, und das war das Höchste, was sie sagen konnten.

Der Weber Boßhardt war auch grad gekommen, um der Mutter die Hand zu geben, als sie das sagten. Die Schmidbergerin war aber nicht in der Stube, sie war ins Gärtlein gegangen, um einen Augenblick für sich zu sein, obgleich das Gärtlein kahl und abgeblüht dalag. Da ging er ihr nach, denn er wollte nicht vor vielen mit ihr reden.

Und er besann sich im Hinausgehen auf ein gutes Wort, das er ihr sagen wollte. Er hatte einen Zettel aus seinem Kästlein gezogen, suchenderweise. Darauf stand: wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen.

Aber der Weber kam sich nicht stark vor und wußte nicht, ob die Schmidbergerin schwach sei. So legte er den Zettel wieder beiseite. Je länger sein Sohn draußen im Feuer stand, je sparsamer wurde der Vater mit allen großen und hohen Worten.

Als er das Gartentürlein aufklinkte, sah er, wie sie den Nelkenbusch mit der Hand streichelte und hörte sie mit schwerer Stimme sagen: »O Gottlieb! O mein Büble!«

Da wußte er, daß sie nun klagen mußte um ihr Kind, wie reiche und stolze und glückliche Mütter klagen müssen, wenn sie beraubt werden. Und er wußte, daß das ihr Reichtum werde, später dann, daß sie solchermaßen um ihren Sohn klagen konnte.