»Was denkst auch, Büble,« sagt der Vater. »Wir haben sie doch erschossen gehabt. Das wär noch schöner. Wir haben ein großes, großes Franzosengrab gemacht und zwei, auch keine kleinen, für unsere Kameraden.«
»Drum,« seufzte die Schuhmacherin befriedigt auf. Denn es dünkte sie doch immerhin erträglicher, wenn die Unseren wenigstens nicht Brust an Brust mit dem Feind liegen mußten. Was zuviel sei, sei zuviel, dachte sie. Aber schon tat ihr der Mann den Deckel vom Hafen.
»Ganz grad ausgegangen ist’s freilich nicht,« fuhr er fort. »Solang wir an der Arbeit gewesen sind, sind noch drei Franzosen gestorben. Die haben wir, weil im Franzosengrab kein Platz mehr gewesen ist, zu den Unseren hineingetan. Sie tun einander nichts mehr.«
Die Hansenbäuerin nickte schwer.
»Werden auch arme Leut’ gewesen sein, die den Krieg nicht angefangen haben,« sagte sie gut und lind.
»Kann sein, sie haben auch Weiber und Mütter daheim gehabt. Von mir aus, bei meinen Buben dürfen sie wohl liegen, die armen Tropfen.«
Dem Daniel gefiel’s nicht. Er stand auf und machte sich über den Kirschenkorb her, an dem das Lenele schon lang mit stillem Eifer saß.
Die Hansenbäuerin stand auf.
Sie gab dem Schuhmacher und seinem Weib die Hand.
»Ich hab’ weit heim,« sagte sie. »Und was ich hab’ wissen müssen, weiß ich jetzt. Ich sag’ vielmals vergelt’s Gott.«