Die Freude war wohl ausgelöscht in ihrem Herzen, aber die Ergebung nicht. Sie sah in allem Kummer stolz und vornehm aus. So sehen viele Frauen aus im deutschen Vaterland.

Sie sahen ihr nach, bis sie wieder in die dunkle Waldestür einging.

»Vater, erzähl’ noch mehr vom Krieg,« bettelte der Daniel.

»So etwas von einem Gewitter.«

Das war nämlich so: Vorgestern war ein Gewitter gewesen, bei dem eine zeitlang Blitz auf Blitz und Schlag auf Schlag einander folgten. Der Daniel war der Mutter am Kleid gehangen, denn es war ihm etwas bänglich bei dem Krachen. Die Mutter aber (es war nach jener Mondnacht) gab ihm einen Puff: »Sei kein so Hasenfuß. So kracht’s im Krieg immer, wenn nicht noch ärger.«

Jetzt an dem friedlichen Sonnentag unter dem Kirschbaum hätte der Daniel gern etwas von Blitz und Schlag und wildem Tosen gehört, es hätte arg sein dürfen, es hätte ihm nichts gemacht.

Da begann der Vater: »Denk’ einmal, in Frankreich drin hab’ ich auch einen Buben gekannt, in deinem Alter, und bin gut Freund mit ihm gewesen. Er hat meiner Quartierfrau gehört. Der Vater ist schon ganz im Anfang in den Krieg gekommen. Seither haben sie nichts mehr von ihm gehört. Vielleicht ist er schon lange tot.

Seine Mutter ist ein kleines, zierliches Weiblein und hat zuerst eine Heidenangst vor uns gehabt. Sie hat vom Hörensagen gewußt, wir seien schier so arg wie Menschenfresser. Wir sind zu dritt bei ihr im Quartier gelegen. Wie wir eingezogen sind, hat sie ihre Schubladen und Kästen vor uns aufgesperrt und gesagt: »Nix da, nix da, nix Geld, nix Essen,« und hat ihr Büblein an sich gepreßt, als wenn wir’s opfern wollten wie den Isaak.

Da haben wir unser Brot auf den Tisch gelegt und was wir so bei uns gehabt haben und haben ihr begreiflich gemacht, daß sie mit uns essen sollen alle beide, und haben dagegen angezeigt, daß wir Durst haben. »Auch nix dü Wäng?« hat einer gefragt. Da ist sie in den Keller gegangen und hat einen Krug voll Wein heraufgeholt und wir haben friedlich miteinander gegessen und getrunken.

Wir haben ihr Dach geflickt und sie hat unsere Hemden gewaschen.