Da war’s ihm recht.
»Es hat sich auch bald begeben,« fuhr der Vater ruhig fort.
Kann sein, er hatte das Zwischenspiel gar nicht gesehen.
»Der Pierre ist ein ganz netter Schlingel gewesen mit kohlschwarzen Augen und einem Wald von schwarzem Lockenhaar.
Aber er hat einen Kameraden gehabt, drei, vier Jahre älter, einen durchtriebenen Strick, dem hat er alles tun müssen, was er gewollt hat.
Und einmal find’ ich die zwei beisammen, wie sie der alten Madlene, das ist eine Wäscherin gewesen, ihren großen Waschzuber angebohrt haben, daß die Seifenbrüh’ auf die Gasse gelaufen ist. Heißt das, der Pierre hat’s getan, der andere hat bloß zugesehen und gehetzt: »Mach’, mach’ voran, sie kommt; das ist ein Hauptspaß, wenn sie schimpft.« Und hat gelacht wie ein junger Teufel. Da hab’ ich mein Gewehr – ich bin grad von der Wache gekommen – an eine Hauswand gelehnt und hab’ den Pierre ’rübergelegt und durchgewamst. Alle Fenster sind aufgegangen vor seinem Geschrei. Und alle Leut’ sind auf die Gasse gekommen, aber ich bin jetzt schon im Zug gewesen und hab’s gründlich gemacht.
»Was, Kerle,« hab’ ich gesagt, »dein Vater ist im Krieg und läßt sich totschießen für sein Vaterland, und daheim hat er so einen Strick? Meinst, das tät’ ihn freuen, wenn er’s wüßte?««
Der Vater unterbrach sich. »Nein, nein, meine Wort’ hat er nicht verstanden,« sagte er auf die Frage der Mutter, ob denn der Bub deutsch verstanden habe, da ihres Wissens dem Mann das französische nicht so herauslaufe wie Brunnenwasser. »Meine Wort’ hat er nicht verstanden, aber meine Hieb’ sind deutlich gewesen.«
»Ungefähr acht Tage nach dir ist die Frau in die Wochen gekommen, wieder mit einem Buben. Den hat sie Jean taufen lassen, das ist wie bei uns Johann, »zur Erinnerung an die brave deutsche Einquartierung,« hat sie gesagt.
Sie hat uns nicht ungern gehabt.«