Und er hat immer gesagt: ›Dieses Tier ist klüger als ein Mensch; es versteht rein alles. Man muß es nicht einmal zu ihm sagen, es spürt, was man will und wie es einem ums Herz ist. Es ist auch nicht stumm; es kann reden; mit dem Schwanz und mit den Ohren kann es alles sagen.‹
Und also dann ist der Krieg gekommen. Am zweiten August ist mein Kleiner abmarschiert, mitten in der Nacht. Ich hab’ ihn begleitet bis an den Kreuzweg, Hirzenbach zu, und der Tyras war auch dabei. Dort ist mein Kleiner mit den andern Burschen aus den Raithöfen zusammengetroffen, da haben wir zwei umgekehrt, der Tyras und ich. Der Hund hat gewinselt und gebettelt ums Mitdürfen. Aber sein Herr hat ihm bloß den Kopf gestreichelt und hat gesagt: ›Du bleibst da und folgst dem Xaver. Wenn ich wieder komm’, und sei’s mitten in der Nacht, so kommst du mir wieder entgegen. Und somit b’hüet Gott.‹ Das b’hüet Gott hat uns beiden gegolten.
Der Tyras ist langsam mit mir heimgegangen, aber er hat die Ohren gehängt. Er hat nicht herumgesucht nach seinem Herrn. Er hat’s ja wohl gewußt, daß er fort ist. Aber ein altes Schäferhemd von ihm hat er hinten im Stall gefunden und von seinem Nagel herabgezerrt. Das ist fortan immer sein Lager gewesen.
Die Zeit ist so herumgegangen.
Mein Philipp ist am Donon gefallen, und ich bin natürlich im Kummer drum gewesen und hab’s auch dem Tyras gesagt. Da ist er einen ganzen Tag lang nicht von mir weggegangen, weil er gespürt hat, daß ich eine Teilnahm’ brauchen kann. Aber sonst ist er ruhig geblieben. Elend mager ist er geworden gegen den Winter hin, und seine Kunststücke, die ihn mein Kleiner gelehrt hat, hätt’ er um keine Wurst und keine Liebe mehr gemacht.
Ich hab’ angefangen, auch mit ihm zu schwätzen, wenn wir an den Winterabenden ganz allein am Ofen gesessen sind.
Wie man halt ist, man braucht eine Ansprach’.
Und der Hund hat doch meinem Kleinen gehört und ich hab’ gewußt, daß er an ihn denkt. Wenn ich gesagt hab: ›Tyras, was macht jetzt auch unser Kleiner?‹ dann hat er gewinselt und mit dem Schwanz auf den Boden geklopft, wie wenn er sagen wollte: ›Ich wär’ selber froh, wenn ich’s wüßte.‹
So ist der Januar gekommen. Ich hab’ schon ein paar Wochen keinen Brief mehr aus Rußland gekriegt und hab’ mir viel Sorgen gemacht.
Aber der Tyras ist ganz ruhig geblieben. Da hab’ ich mir gedacht: vielleicht dürfen sie bloß nicht schreiben. Oder die Feldpost kommt nicht recht nach, oder es ist ein Brief verloren gegangen.