Da, am achtundzwanzigsten Januar, wie es Abend wird und ich will das Haus und die Läden schließen und gehe außen ums Haus herum, hör’ ich den Tyras von weitem bellen, wie er allemal gebellt hat, wenn sein Herr heimgekommen ist. Sonst hat er einen ganz andern Ton gehabt. Mir hat das Herz geschlagen bis an den Hals herauf.

Wenn’s jetzt auch möglich wär, daß er käm’, hab’ ich gedacht, und bin dem Hund nachgegangen bis an den Kreuzweg, wo wir selbigesmal Abschied genommen haben.

Da ist der Tyras gestanden und hat ins Tal hinunter gebellt. Aber auf einmal ist es kein Bellen mehr gewesen, sondern ein Heulen, und er ist fortgeschossen, an mir vorbei, nach einer andern Richtung, weit, bis an den Wald.

Darauf ist er wieder gekommen und hat immer ein Geheul ausgestoßen, wie im höchsten Schmerz, und wieder fort in einer Aufregung. Mir ist’s ganz unheimlich gewesen. Ich hab’ gepfiffen, und als er wieder einmal gekommen ist, hab’ ich ihn am Halsband gefaßt und auch richtig bis ans Haus gebracht.

Aber hinein wär’ er um keinen Preis gegangen.

Ich hab’ ihm gut zugeredet, und als das nichts geholfen hat, hab’ ich kurz befohlen: marsch jetzt, hinein.

Denn das Getue hat mich mehr aufgeregt, als ich sagen kann. Aber er hat nicht gefolgt, so pflichtig er sonst gewesen ist. Es war, als ob er sagen wollte: Begreifst du denn gar nichts? hast du denn gar keinen Merker?

Aber ich hab’ in Gottesnamen nicht gewußt, was er hat und bin ohne ihn ins Haus gegangen und später auch ins Bett. Aber geschlafen hab’ ich nicht, denn das Tier hat die ganze Nacht fortgemacht mit Bellen und Heulen und Suchen. Um ein Uhr bin ich wieder aufgestanden und ums Haus herum gegangen. Da ist ein schöner, heller Sternenhimmel hoch über mir gestanden und gerade auch der große Wagen. Den hat mein Kleiner immer so gern gesehen und ich bin mit meinen Gedanken nach Rußland hinein gegangen, heißt das, in die Karpathen, wo mein Kleiner gegen die Russen gestanden ist, und hab’ gedacht: Am End’ wacht er auch und sieht die Stern’ am Himmel, und denkt heim. Wer weiß?

Aber kein Gedanke, kein einziger hat mir gesagt, daß er in selbiger Nacht ist schwerverwundet irgendwo im Schnee gelegen und hat vielleicht gerufen nach einer Hilfe, und niemand hat ihn gehört, noch gewußt, wo er ist.

Eine Woche später habe ich den Bescheid bekommen, daß er gefallen ist, und ein Kamerad hat mir auch geschrieben, daß man ihn drei Tage nach seiner Verwundung im tiefen Schnee gefunden hat, tot. Er ist erfroren, er ist nicht verblutet.