»Sind dumme Leut,« sagte die Schwester. »Sie verstehen’s nicht besser.

Dumm und gleichgültig. Wer’s nicht in sich hat, den macht auch der Krieg nicht anders. Lassen wir’s.

Aber was ich schon fragen wollte, Roland, haben Sie eigentlich keine Verwandten, die Sie einmal besuchen könnten? Der Doktor erlaubt’s, daß jemand kommt. Sie wissen, er ist Ihnen gut gesinnt. Er meint, es würde Ihnen Freude machen.«

Der Kranke schüttelte leise den Kopf.

»Ich habe einen männlichen Verwandten, der kann nicht kommen. Es ist ein Fabrikant weit weg in Sachsen. Er steckt bis über die Ohren im Geschäft. Wissen Sie, Kriegslieferungen. Nein, ich wüßte niemand.«

Er hatte ein junges Gesicht; seit der Bart entfernt war, sah man erst, wie jung. Aber es war schmal und hart und hatte gar nichts Frohes.

»Dummheit, woher soll es denn froh sein?« dachte die Schwester. »Er ist totkrank und ganz aufgebraucht.« Aber sie vermißte es dennoch. Sie hätte ihm gern irgendwo einen Arm voll Freude gelangt. Sie meinte, es müßte leicht zu durchsonnen sein, wenn da etwas wäre, so recht zum Freuen.

»Sind Sie denn in Sachsen daheim?« fragte sie.

»Ihre Sprache ist nicht so, daß man’s denkt. Ich weiß nicht recht, wo ich Sie hintun soll.«

»Ich weiß es auch nicht,« sagte er.