»Nein, ich bin nicht in Sachsen daheim, und wo bin ich’s denn eigentlich?
Wenn ich das Wort Heimat denke, dann denke ich an den Bodensee.
Dort hat mich meine Mutter auf den Boden gelegt und hat sich davon gemacht.
Nein, nein, sie konnte nichts dafür,« – er sah den schreckhaft staunenden Blick der Schwester, – »sie starb an meiner Geburt. Ich habe schon gedacht, es wäre besser gewesen andersherum. Ich statt ihrer. Aber das läßt sich scheint’s nicht ändern, so etwas. Das ist, wie es ist.«
Er sagte das alles mit vielen Pausen, er hatte nicht sehr viel Atem zu verbrauchen.
»Ich kann mich auch nicht beklagen,« fuhr er einmal fort.
»Es waren da Hände, die mich aufhoben. Eine alte Ahne, die mich immer sehr warm anzog. Ich entsinne mich einer dicken wollenen Mütze, die tief über die Ohren ging. Die schien ihr ein Schutzmittel gegen alle Gefahren zu sein.
Einmal raffte ich mich zu einem Bubentrotz auf und warf sie in den See, so sehr haßte ich sie. Aber sie ward wieder aufgefischt und getrocknet. Man kann seinem Schicksal nicht entgehen.«
Die Schwester mußte ins Haus zurück. Da war noch viel Arbeit.
»Nein, warten Sie,« sagte der Kranke.