Das brannte sie tief im Herzen. »Es ist ein Glück zum Heulen,« dachte sie.

»Da haben die Zeichen recht geredet. Nun find’ ich ihn wieder, und so.«

Sie ließ sich aber nichts anmerken.

»Weißt du noch?« sagte sie, »wie du als Kind einmal krank gewesen bist und hast nicht reden sollen, und ich bin die Nacht bei dir gesessen, denn man hat dir wachen müssen. Da hab’ ich dir Geschichten erzählt, eine um die andere, um dich damit einzuschläfern. Und du bist auch ruhig gewesen, solang ich erzählt habe, wenn ich aber gedacht habe: jetzt ist’s gewonnen, dann hast du angefangen: mm – mm – und hast mir einen Puff gegeben; das hat geheißen: weiter. Und so hab’ ich die Nacht mit dir herumgebracht und am Morgen ist’s besser gewesen. Der Doktor hat aber gesagt (er ist keiner von den Feinsten gewesen) – ein paar tüchtige Patscher seien auch ein gutes Schlafmittel und hätten nichts geschadet.

So? hab’ ich gesagt, und wer hat denn gesagt, das Kind dürfe keinen Muckser tun und müsse mäusleinsruhig sein? Das ist von altersher so, daß Kinder schreien, wenn man sie haut. Er ist ein Junggesell gewesen; das ist nichts für einen Doktor.«

Ein Lachen ums andere flog über das blasse Gesicht.

»Das wird heut wieder so,« sagte der Kranke.

»Ich will wieder einmal rücksichtslos sein dürfen und quälgeistig und alles. Immer sich beherrschen, das hält ja kein Mensch aus. Dazu hast du herkommen müssen. Ich habe das Schlafen ganz verlernt. Wenn sie mir Schlafmittel geben, träume ich schreckliche Dinge. Ich will wach liegen und du sollst mir erzählen. Bist du müde, Spielmutter?«

»I wo werd’ ich denn müde sein,« sagte Jungfer Christiane. »Ich bin doch den ganzen Tag in der Eisenbahn gesessen, da hab’ ich mich auf lang hinein ausgeruht.«

Die drei Stunden den Berg herauf zählte sie nicht.