»Das habe ich alles beschützen helfen,« sagte er glücklich.
»Daß das alles im Frieden liegt –«, er atmete befreit auf.
»Das ist doch auch der Mühe wert.«
Da hatte Jungfer Christiane nun ihren großen Wunsch erfüllt und aus ihrem Herzen heraus etwas getan, was sonst niemand als sie tun konnte, und es war ein Soldat gewesen, dem sie es getan hatte, ganz wie es sein mußte. Und sie war in dieser Nacht in den Strom untergetaucht, dessen Wellen aus rotem Herzblut bestehen, da war sie auch darin zu einer Welle geworden und hatte auch ihr Büblein zu einer werden lassen.
Aber sie dachte nicht daran, daß es so sei und wußte es nicht. Doch aber sah sie aus der Ferne das Schiff daherfahren, das den Sieg und den Frieden bringt und sah das beides, Sieg und Frieden, noch einen Tag lang sich in den Augen und auf dem Gesicht des jungen Kämpfers ausbreiten, dem sie den schweren Stein aus dem Weg geschafft hatte. Dann, als der nächste Abend niedersank, drückte sie ihm die Augen zu.
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Es ging ein stiller Zug durch Wald und Wiesen und grünes Gelände talabwärts zu einem Kirchhof, der lag an einer sonnigen Halde und war anzusehen wie ein freundlicher Garten.
Kameraden trugen den Sarg, der war mit ein paar Kränzen geschmückt. Was gehen konnte, ging mit. Mit den Schwestern ging Jungfer Christiane. Im Tal unten gesellten sich Leute dazu, viele Frauen und auch ein paar Männer und ein Lehrer mit Schulkindern, die sangen am Grabe ein andächtig schönes Lied.
Neben ein paar frischen Hügeln war ein Bett gemacht, da hinein senkten sie den Sarg. Es sei Heimatboden, sagte der Pfarrer und gedachte auch derer, die draußen starben in der Fremde und im Feindesland. Da hoben die Weiber an zu schluchzen, denn die Ehre, die sie dem Fremden antaten, war auch den ihrigen vermeint. Es waren ihrer schon viele gefallen, die hatten sie nicht zur Ruhe geleiten können. Nun ließen sie ihr Herz walten und weinten über die Gräber der Unbekannten hin und gelobten sich auch, sie zu pflegen. Das alles, und daß man über das Grab hinschoß, Beten und Singen und Glockenläuten, und die Blumen, die hinunterfielen, nahm Jungfer Christiane als einen reichen Zins ihrer Reise und ein Erbe in sich hinein, da sie die Einzige war, die ihm nahe stand, den man hier begrub mit Dank und Ehren.
Als sie aber vom Grab hinweggingen, hörte sie hinter sich eine Stimme sagen: »Das wird, denk’ ich, die Mutter sein?« und eine andere antworten: »Behüte, es sind keine Verwandten gekommen. Es ist, soviel ich weiß, eine alte Kindsmagd oder Nachbarin von früher her, sie geht ihn nicht näher an.«