Es war am Abend. Die Mutter saß in der dunklen Kammer an den Kinderbetten und sang leise ein Lied. Das tat sie selten. Heute mußte sie es tun, es war so viel Aufgewühltes, Unruhiges, Frohes und Schweres durcheinander in ihr. Das mußte zur Ruhe kommen. Die Kinder schliefen drüber ein. Draußen in der Stube saß der Mann, allein, die Ellbogen schwer auf den Tisch gelegt, den Kopf auf der Brust. Sie hätte ihn so gern auch in den Schlaf gesungen, mit Liebe zugedeckt. Aber sie wagte sich doch nicht so nah an ihn heran. Die aufflackernde Freudigkeit des Nachmittags war nicht mehr in ihr. Er liebte sie ja doch nicht. Er trauerte ja, daß die andere ging. Und er sehnte sich nach einem Leben, das sie ihm nicht geben konnte.
»Sei du Schloß und Riegel,
Unter deine Flügel
Nimm dein Küchlein ein,«
sang sie leise. Mit einem Herzen, das gern stark sein wollte und doch unruhig und zitternd schlug, sang sie es.
Da kamen schwere, unsichere Tritte von der Stube her durch die dunkle Kammer. Wie einer, der eine schwere Last auf den Schultern hat, kam der Mann gegangen. Er tastete sich zwischen den Kinderbetten durch. Und dann sank er vor ihr nieder und legte den Kopf in ihren Schoß. »Kathrin,« sagte er, und seine Stimme brach mitten in dem Aufschrei: »Kathrin, ich weiß mir nicht zu helfen. Hilf mir!« – – – –
Die Freunde in der Stadt waren nicht so recht zufrieden mit der heimgekehrten Adelheid. Zwar sie war braun, frisch und gesund, hatte reiche Beute im Skizzenbuch und in den Mappen mitgebracht und zeigte auch ihr Kinderbildchen mit Freude und Stolz. Aber sie war nicht so mitteilsam, als Heinz und die andern gewünscht hätten. Sie waren begierig auf Adelheids Erlebnisse gewesen, denn sie waren samt und sonders stolz auf sie, und überzeugt, daß sie überall die Menschen, und nicht nur die Kinder gewinnen müsse. Das hätten sie nun gern mitgenossen. Aber Adelheid sagte nur: »Sie waren alle gut gegen mich. Viel zu gut. Erzählen? Ja, das kommt schon noch, nach und nach. So Besonderes war nicht dabei.« Und dann fing sie an, sich auf die Arbeit zu werfen, als stünde der Hunger hinter ihr.
Nein, da mußte etwas nicht in Ordnung sein.
Die alte Freundin, oben unterm Dach, die mit dick verbundenen Füßen im Lehnstuhl saß und ihre Gichtschmerzen aushielt, die wußte nun wieder einmal, wozu sie auf der Welt sei.
Draußen riß der Wind die Pappelkronen hin und her, daß sie ächzten. Drinnen saß Adelheid im Dämmer auf einem Schemel und sah in die Ofenglut. So liebte sie’s. Zu dieser Zeit pflegte sie zu kommen und, wie sie’s nannte, »ihren Tag hier auszubreiten.«