»Der Bub’ sagt’s ungeschickt,« sagte der Mann entschuldigend. »Aber Sie nehmen’s ja nicht für ungut, das weiß ich wohl. Das nicht und nichts sonst. Von ›müssen‹ kann ja keine Rede sein. Aber wenn wir halt recht schön bitten dürfen. Weil alles so gut steht bei uns; und weil wir halt immer sagen, das Weib und ich: daß das Fräulein gekommen ist, damals, das ist ein Gottessegen.«
Er streifte mit einem verlegenen Blick den fremden Herrn, der dabei stand und der gar nicht gesonnen schien, sich von der Gruppe zu trennen. Er hätte gern noch mehr gesagt. Aber das ging nun nicht an. Das mußte er noch aufsparen.
»Ja, Meister, das ist mir ja eine Freude, eine große, rechte,« sagte Adelheid in überquellendem Empfinden. Ihr war so froh zumute, so reich. Da war etwas Gutes gewachsen, das konnte man ja sehen. Das bedurfte gar nicht vieler Worte. Und sie sollte daran teil haben. Wie schön das Leben war. Wie schön. Ihre Augen leuchteten.
»Ist das nicht herrlich?« fragte sie zu Heinz hinüber. »Aber nun kommen Sie, nun wird heut’ Feiertag gemacht. Sie gehen mit, ganz freundschaftlich. Wir müssen den Beiden alles Schöne zeigen, das sie nur in sich hineinkriegen. Ist es nicht ein Fest?«
»Daß irgend etwas wunderschön ist, seh’ ich an Ihren Augen. Und ich seh auch, daß Sie uns heuchlerisch verschwiegen haben, was unter Freunden geteilt gehört. Aber ich räche mich,« sagte Heinz.
»Komm, mein Junge, du gehst mit mir.« Und darauf rächte er sich, indem er seiner Freundin den Freund und Verehrer Gottfried gänzlich abspannte, und bald voraus, bald hintendrein, des kleinen Burschen Herz im Sturm eroberte. Es nahm’s ihm niemand übel.
Die beiden gingen allein, Adelheid und Meister Notacker. »Jetzt hab’ ich die Stadt nicht mehr gesehen, seit ich vom Militär wegkam,« sagte der Meister. »Mich dünkt, sie ist seither noch viel schöner geworden.«
Er sah so aufgehellt aus. In seinen Augen und auf seinem Gesicht lag so einfache, biedere Kraft. Wie einer, der das Leben erkannt und aufgenommen hat, sah er aus.
»Ich hab’ nicht hierher gewollt,« sagte er. »Ich hab’ schreiben wollen. Aber ich hab’ keinen rechten Brief zustand’ gebracht. Es ist mir so viel im Kopf herumgegangen. Da hat meine Kathrin’ gesagt: »Geh doch selber. Männer müssen auch hier und da etwas sehen, wie’s draußen zugeht.« Da bin ich gegangen.« Er wurde ganz warm. »Sie versteht’s, was man braucht.«
»Ich weiß nicht, wo ich meine Augen gehabt habe,« hob er nach einer Weile wieder an. »So ein Weib, wie mein’s. Was einem das sein kann. Und geht neben einem her, und man merkt’s nicht. Und wartet, bis man’s braucht. Dann ist es da, und hilft einem, und hat keine unschöne Rede, nicht eine. Das hat uns zusammengebracht. Das wär’ sonst nie so weit gekommen. Und jetzt ist’s gut, gottlob!«