Die andern, die hier umher gingen, die waren so unbegreiflich gewandt. Sie kamen an und stellten sich einander vor und da fanden sie sogleich, daß sie da und da auch schon gewesen waren, also am selben Orte mit den andern und da konnte die Unterhaltung sogleich losgehen. »Ach, was Sie sagen! München? da waren wir letzten Winter auch. Sagen Sie, haben Sie die Ausstellung der Sezession gesehen? Mein Mann war drin, ich nicht. Ich halte mich in München immer an die Schackgalerie, da habe ich nun so meine Freunde.«
Dieses und ähnliches sagten sie zueinander und wurden rasch bekannt.
Und sie sprachen vom Wetter, das konnte sehr gut und sehr ausgiebig als Einleitung dienen, und von ihren Krankheiten. Denn sie waren alle mehr oder weniger krank oder begleiteten ein Krankes oder hatten eine Krankheit hinter sich, davon konnte man im Notfall stundenlang reden.
Er hatte es auch einmal versucht, zum Donnerwetter, er war doch auch nicht stumm geboren.
Da war eine sehr nette Dame, eine Rheinländerin, die heiteren Gemütes war, groß und blond und ein wenig üppig, sie war angenehm anzusehen.
Sie setzte sich beim Frühstück neben ihn und sagte, indem sie sich Tee einschenkte: »Sie sind eben erst angekommen, Herr Kandidat?« Ja, das hatte sie doch sehen können, wo sollte er denn sonst seither gesteckt sein? »Ja, gestern,« sagte er und wartete auf eine neue Anrede. Die kam auch.
»Sie sind Ihrer Gesundheit wegen hier?«
»Ja«, sagte er, der Wahrheit gemäß.
Das war ein vielversprechender Anfang, es gefiel ihm ganz gut, hier zu sitzen und sich mit der netten Dame zu unterhalten. Sie fragte denn auch nach einer Weile, ob es gestattet sei, das Fenster ein wenig zu öffnen, es sei doch so warm draußen, – ha ha, – im Dezember. Wenn man bedenke, wie es um diese Zeit zu Hause sei. Sie habe einen Brief: das reinste Sudelwetter sei am Rhein. Da hätte er nun vom Rhein mit ihr reden können, der war seine große Liebe, seit er einmal sonnige Sommertage an seinen Ufern verwandert hatte. Darüber hätte er viel sagen können. Das hätte er auch getan, wenn sie ihm Zeit gelassen hätte, einen Anfang zu finden. Aber sie stand nach kurzem Warten auf und öffnete das Fenster selber, das hätte ja eigentlich er tun sollen. Aber nun war es schon zu spät. Sie sah ein wenig spöttisch aus dabei. Das meinte er vielleicht nur, aber es hatte doch die Wirkung auf ihn, daß er die Unterhaltung abbrach und sein Frühstück stumm verzehrte.
Dann sprach er ein paar Tage lang nur wenig. Schließlich eilte er ja nicht so sehr mit dem Bekanntwerden, man konnte das ja alles an sich herankommen lassen.