»Hast du auch eine Mammi?« fragte sie.

Ja, das hatte er, aber er nannte die seinige nicht Mammi, er sagte Mutter zu ihr.

»Wie sagt sie denn zu dir?«

Da mußte er bekennen, daß sie meistens Holder zu ihm sage, obgleich er Reinhold getauft sei. Er war ihr einziger Sohn bei fünf Töchtern und da äußerte sich die Liebe nun eben so, daß sie Holder sagte.

»Dann will ich auch Holder zu dir sagen,« entschied sich Ellen.

Das war ihm zwar ein wenig peinlich, wenn er an die Gesellschaft dachte. Drei Damen und ein Herr waren nach und nach schon zum Frühstück gekommen und sahen mit einigem Staunen, wie angeregt sich der stille Schwabe mit dem neuangekommenen Kinde unterhielt.

Nicht daß sie ihn für irgend beschränkt gehalten hätten; sie sahen ihn im Gegenteil mit seinem vierkantigen Kopf und dem bedeutungsvollen Schweigen für einen heimlichen Denker und Weisen an, aber darum konnten sie nun doch staunen, daß er so aufgetaut war.

Er gab sich aber schnell einen innerlichen Ruck und beschloß in der angenehmen Wärme, in der er sich eben befand, nichts danach zu fragen, was »die ganze Bande« dazu sage, wie das Kind ihn nenne.

Es war vielleicht nicht schön von ihm, daß er die völlig harmlose und ehrenwerte Gesellschaft in der Villa eine Bande hieß.

Aber man muß doch auch bedenken, daß er bis vor ganz kurzem noch Student gewesen war, und daß ihn die viel größere Redegewandtheit der – andern Stämme die Tage daher nicht wenig bedrückt hatte.