Manchmal ging er auch allein fort, etwa mit einem Buch in der Tasche oder unter dem Arm. Dann setzte er sich irgendwohin und wollte lesen. Aber gewöhnlich war es viel zu schön ringsumher, als daß er seine Gedanken beisammen behalten hätte, oder es kamen Leute vorbei, die ihn fragten, warum er hier so allein sitze und was er denn studiere. »Was, Kirchenrecht? hier am Meer?« Da verstummten die Leute meistens, halb aus Respekt und halb aus Bedauern mit ihm, daß er hier sitze und den Kopf über schwere Bücher hinneige.

Er hatte sich vorgenommen, die Zeit gut auszunützen, es waren da so viele Lücken in seinen Kenntnissen. Aber es war doch nicht viel anzufangen. Vielleicht konnte er sie auch anderweitig ausnützen. Und schließlich, ja, da kam etwas wie Leichtsinn über ihn: mußte denn immer alles nützlich sein?

Da ging er mit langen Schritten ins Haus zurück und in seine Stube, dort waren noch viele Bücher, auch Goethe und Mörike und Konrad Ferdinand Meyer. Er hatte sie alle mitgeschleppt, denn er konnte nicht ohne Bücher sein. Aber jetzt sagte er mit einer Verbeugung: »Unterhalten Sie sich gut, meine Herrschaften,« und ging wieder ins Freie.

Er wollte auf die Strandpromenade gehen, da waren viele Menschen, die gingen hin und her, und hörten auf die Musik, die in einem Pavillon spielte, und unterhielten sich dabei.

Das konnte er doch auch einmal tun.

Aber als er durch den Garten ging, sah er Ellen allein unter einer kleinen Lorbeerhecke sitzen und ganz gerade vor sich hinsehen. Sie hatte ein so ernstes Gesicht, daß es gar nicht auszuhalten war an einem viereinhalbjährigen Kind, und dann seufzte sie tief auf.

Das letztere durfte aber auf gar keinen Fall sein, das hatte sie vielleicht von ihrer Mutter angenommen?

»Was ist mit dir, Ellen, warum sitzt du so da und seufzest?«

»Ich seufze nicht, ich denke an meinen Papa.«

»So, und warum muß man denn dabei so betrübt aussehen?«