„La haine,“ schrieb ein Soldat aus dem Schützengraben an Romain Roland, „la haine, ils en ont fait une vertu civique! — Comme vous le dites, quiconque ne hait pas est suspect . . . Imaginez, monsieur, la torture de vivre dans une telle atmosphère! Devant tant de malheurs sans nom, il devrait n’y avoir plus que des paroles de pitié — tandis que ce ne sont qu’ exhortations à la haine, sanctifiant la vengeance et le meurtre . . . Voilà les paroles qu’on a entendues depuis un an. Et c’est pour cela que les vôtres ont fait tant de bien. Nous ne savons pas haïr, et c’est là notre consolation . . . Puisque vous parlez aux deux pays, dites-leur, monsieur, à ces pauvres Allemands, qui doivent gémir comme nous de tant de maux, qu’il y a des hommes en France, qui n’ont pour eux que de la commisération et que, tout en les combattant, nous les paignons à cause de leurs souffrances pareilles aux nôtres. Nous ne pouvons survivre à tant de tristesse qu’à force d’amour.“


Aber eine süddeutsche Zeitschrift spiegelt ein anderes Frankreich wieder, ein ebenso gedankenloses wortkriegerisches Frankreich und ein ebenso wesenloses wie das Deutschland, das sie erfunden haben.

„Die Völker erwarten reale Garantien, sie erwarten Land, Leute und Besitz. Es ist ein Frevel, schreiben sie, die furchtbare Wahrheit des Krieges mit sanftem Friedensgetön zu verflüchtigen. Unsere Toten sind wirklich tot, unsere Krüppel haben ihre lebendigen Glieder auf dem Schlachtfeld oder im Lazarett gelassen; unsere Witwen und Waisen schreien nach ihrem leibhaftigen Schützer und Ernährer.“

Die süddeutsche Zeitschrift hat gut reden. Es ficht sie nicht an, sie, die weit hinter der Front mit so viel Temperament dem Kriegsgott Blumen streut, es ficht sie nicht an, daß es noch mehr und immer mehr der Krüppel geben soll, die ihre lebendigen Glieder auf dem Schlachtfeld lassen, immer mehr der Witwen und Waisen, die nach ihrem Beschützer schreien. Immer mehr; denn es sind ihrer noch nicht genug. Es sind der Blinden, es sind der Jammergestalten noch nicht genug. Fragt sie, die Soldaten aller Völker, ob ihnen diese Monatshefte nach dem Herzen reden? Fragt sie doch, es kommt ja nur auf eine Rundfrage an; laßt sie doch abstimmen, ob sie Land, Leute und Besitz oder ihre Ruhe ersehnen.

Land, Leute und Besitz in der Tat! Wer da besitzen wird, weiß man nur zu wohl. Wo aber die Leute sein werden, wenn es so weiter geht? und wo das Land, wo die Provinzen, wo der Küstenstrich — mein Gott! wert unseren Erdteil ihretwegen zu verspielen!

„Ihr Süddeutsche,“ sagte mir kürzlich ein Berliner, „seid so debonnair, und bei euch ist der Größenwahn noch Import. Aber wenn ihr ihn hereinlaßt, dann gnad Gott! denn ihr seid dann die weitaus widerwärtigsten von allen.“

Ist dies nicht in viel weiterem Sinne wahr? Der Pangermanismus paßt auf das Volk der Denker wie die Faust aufs Auge. Ein arges Bild! Ist es da nicht folgerichtig, daß von allen gleichwertigen Bestrebungen er es ist, der sich am widerwärtigsten präsentiert? —

Ach! und Süddeutsche gar! ich sah mir neulich Bilder von Spitzweg an. O wie deutsch! Was könnte deutscher sein? und was könnte, weil es so deutsch ist, weniger mit diesem Krieg zu schaffen haben wie dieser Spitzweg, der sich im Mannesalter nach Paris aufmachte, um erst durch den Kontakt, die Verquickung mit französischer Kunst zu jenem echten Spitzweg zu werden, welcher den Schalk, die Wonnen und das versteckte Lachen der Natur beschlich, jenem spitzfindigen Spitzweg, der sich das Spiel der Wolken und die Flöte Pans auf die Palette stahl.

Denn mit deutscher Wesensfülle ist es gar seltsam und kompliziert bestellt. Ohne Pfropfreis und von alleine hat sich noch keiner zu ihr vermocht.