Also wollen wir helfen, einen Frieden vorzubereiten, der den Haß beseitigt und eine Versöhnung anbahnt, damit das Ziel des großen Krieges der große Friede sei.

Ein literarisches Organ dieser Art darf nur auf neutralem Boden geschaffen und von Personen geleitet werden, deren Neutralität über jeden Zweifel erhaben dasteht. Deshalb soll es in der Schweiz entstehen und einen französischen und einen deutschen Schweizer zu Herausgebern haben. Diese Männer werden die Sicherheit bieten gegen die naheliegende Gefahr, es könnte die Zeitschrift aus ihrem objektiven und versöhnlich gedachten Geleise herausgedrängt und unter dem Vorwand der Neutralität einseitigen Zwecken dienstbar gemacht werden.

In dieser Zeitschrift sollen die uns alle bewegenden Probleme des Weltbrandes in der Weise behandelt werden, daß zu den aufgeworfenen Fragen, neben hervorragenden, objektiv denkenden Neutralen gleichmäßig bedeutende Vertreter der kriegführenden Teile das Wort erhalten, die in knapper Form die Ansicht ihrer Volksgenossen frei von Übertreibung und Gehässigkeit zum Ausdruck bringen.

So hoffen wir in ehrlicher Kulturabsicht und mit allen Kautelen gegen Mißbrauch ein Organ zu schaffen, welches der Wahrheit und der Menschlichkeit dienen und neben den schrecklichen Seiten des Krieges auch eine allen guten und edlen Menschen erfreuliche Frucht zeitigen soll.“

Für solche Dinge, werden Sie sagen, ist es entweder zu spät oder zu früh. Dies sagten sich auch diejenigen, welche nach reiflicher Überlegung sich dennoch zu dem Unternehmen bekannten. Vielleicht interessiert es Sie zu hören, wie es entstand.

Professor Brockhausen in Wien schilderte in jener Sitzung, wie ihm die fortgesetzten Zeitungsberichte von den Greueltaten der serbischen Soldaten keine Ruhe ließen. Es ist ja sicherlich beschämend genug für den Gebildeten, was ihm heute, in einem Zeitalter, das wir für ein zivilisiertes hielten, noch zugemutet wird, was er lesen, was er aussprechen, womit er sich noch befassen soll.

Nun also! In Österreich hieß es allgemein, die serbischen Soldaten besäßen eine wahre Vorliebe, den österreichischen Verwundeten die Augen auszustechen. Der Professor wohnte in nächster Nähe eines Lazaretts, wo neuerdings solche beklagenswerte Opfer in Pflege lagen, und er erachtete es als seine Pflicht, sich davon zu überzeugen. Fürs erste aber überraschte er seine Frau durch ein Gesuch um fünfzig Kronen. Sie meinte, er brauchte sie doch nur selber zu nehmen. Aber er bestand auf seiner Bitte und begab sich dann mit der Summe ins Lazarett. Dort äußerte er den Wunsch, zu einem von Serben in besagter Weise zugerichteten Österreicher geführt zu werden, weil er ihm fünfzig Kronen zu überbringen habe. Es läßt sich denken, daß man ihm sogleich willfahrte, mit dem Bemerken allerdings, daß der Betreffende zwar das Augenlicht verloren habe, jedoch durch einen Schuß.

Der Professor ging daraufhin keinen Schritt weiter und berief sich auf sein Mandat, das ganz ausdrücklich nur einem Verwundeten galt, der von serbischen Soldaten verstümmelt worden sei. Da gäbe es ja leider Gottes Lazarette genug, wurde ihm versichert, wo er solche Opfer serbischer Grausamkeiten antreffen könnte. Er machte sich nun anheischig, von einem zum andern zu wandern; überall führte er sich auf dieselbe Weise ein, ziemlich überall fanden sich Soldaten mit schweren oder unheilbaren Augenverletzungen, aber an keinen dieser Unglücklichen brachte er seine Gabe an, denn immer waren Kopfschüsse die Ursache der Erblindung gewesen.

Professor B. wollte hiermit in keiner Weise bestreiten, daß die genannten Greueltaten vorgekommen seien; er wollte nur wahrheitsgetreu berichten, daß er selbst nach allen Wiener Lazaretten gewandert sei, die fünfzig Kronen aber noch heutigen Tages besitze.

Das Ergebnis dieser erfolglosen Nachforschungen aber war, daß er zur Überzeugung gelangte, hier müsse etwas geschehen; und er fuhr in die Schweiz, um sich mit seinen dortigen Kollegen über einen Plan zu besprechen, den er mittlerweile gefaßt hatte. Es sollte durch ein internationales Organ der systematischen oder gedankenlosen Verhetzung entgegengetreten werden. Dabei stieß er auf die Bedenken und den Widerstand, den er erwartet hatte, fuhr aber unverdrossen bis nach Genf, wo er es unter anderen auf Romain Rolland abgesehen hatte, welcher die Zweckmäßigkeit, ja Unerläßlichkeit des Vorhabens würdigte und seine Bereitwilligkeit, sich daran zu beteiligen erklärte; unter der Bedingung, daß die strengste Neutralität gewährleistet würde und Verwaltung wie Herausgabe in neutralen Händen verblieben. Mittlerweile hatten sich auch die Berner und Züricher Freunde die Sache überlegt, und der Professor fand sie auf seinem Rückweg nicht mehr so abgeneigt, wenn auch ebenso skeptisch. Aber auch sie glaubten angesichts der heillos verschütteten und, wie es schien, nicht mehr freizumachenden Wege, daß sie es mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren könnten, wenn sie untätig blieben, auch, wenn sie an dem Erfolg ihrer Arbeit zweifelten.