Während sie sprachen, hielten sie die Augen fest aufeinander gerichtet und sahen sich unverwandt, mit ernster, ausdrucksloser Miene, wie zwei große Vögel an.

„Sie haben sich aber nicht verändert,“ sagte Mariclée, die ihn kaum wiedererkannt hätte. Und was machte er für Augen? sie waren ja ganz steif; und diese Unbeweglichkeit, diese Blässe, wie von einer Puppe? Und sie bedachte nicht, wie versteinert sie selber drein sah. Jeder nahm jetzt her, was ihm gerade einfiel. Er erwähnte den Todesfall, der sich so kürzlich erst begeben hatte, machte ein gefühlvolles Gesicht, das sie gar nicht an ihm kannte, und sprach von dem „schweren Kummer“, von dem sie alle betroffen seien. Mariclée spürte einen starken Lachreiz. „Warum lügt er denn so?“ dachte sie.

„Davon weiß ich gar nichts; sind Sie deshalb in Trauer?“ log sie zurück.

Von dem Zimmer, in dem sie saßen, sah sie nichts, bemerkte aber jetzt, daß der Tee auf dem Tischchen vor ihnen serviert war, vergaß gänzlich die Situation, und mechanisch, wie sie es früher oft getan hatte, schenkte sie ihm und dann sich selber eine Tasse ein.

Und nie blickte sie zur Türe hin, als dächte sie mit nichten, daß hier jemand eintreten könnte, als sei dies ihre letzte Sorge, als sei dies keineswegs die Panik, die sie krampfhaft unterdrücken mußte, um ihr letztes Restchen Fassung zu bewahren.

„Wie lange ist es her, seit wir uns nicht mehr sahen?“ fragte sie.

Er wußte es auf den Tag.

„So kurz?“ sagte sie irrsinnig. Sie wollte sagen: „So lang.“ Aber es war ja alles eins.

„Und Ihr Beruf?“

„Ich hoffe ihn wieder aufzunehmen.“