„An den schönen Flügel, den ich in Grosvenorstreet habe,“ sagte sie und wandte ihm ein liebenswürdiges und heiteres Lächeln zu. Wenn sie sehr einfache Dinge sagte, die sie doch nur selber verstehen konnte, mußte sie lachen. Draußen stand sein Auto mit seinem Diener und seinem Gepäck, um ihn zur Bahn zu befördern.
„Wo darf ich Sie absetzen?“ fragte er.
„Vor einer Bank. Ich habe nur mehr deutsches Geld.“
Sie verabredeten sich für einen Abend der kommenden Woche, und in Haymarket stieg sie aus.
„Geben Sie acht, daß Sie Ihr Geld nicht verlieren.“
„Keine Gefahr,“ sagte Mariclée. „Ich habe mir innere Brusttaschen anfertigen lassen, genau wie an den Herrenjacken. Meine Erfindung,“ fügte sie stolz hinzu.
„Ja, wenn uns die Frauen etwas nachmachen, so nennen sie das erfinden.“
Lachend winkte sie ihm noch einmal zu. Aber in dem Blick, den er ihr nachwarf, lag fast etwas wie Besorgtheit. Sie sah so schutzlos aus, — als müßte ihr in dieser großen Stadt unbedingt etwas zustoßen, wenn niemand sie behütete.
Gegen Abend schien sich das Wetter immer aufzuklären. Mariclée war den ganzen Tag nicht nach Hause gegangen, sondern schwärmte umher. Als sie endlich müden Fußes heimwärts zog, prangte Piccadilly längst in seinem trivialen Lichterornat, und es war Zeit auf die Suche des Restaurants zu gehen, das ihr noch zu entdecken blieb. Denn in das gestrige wollte sie nicht mehr zurückkehren. Wer dort nicht in großer Toilette auftrat, fiel doch etwas aus dem Rahmen. Zwar ein schönes Lokal mußte es sein. Sie lebte — nicht zu Unrecht — der Meinung, daß sie sich nirgends so wohlgemut ein bescheidenes Essen zulegen konnte, wie in einem teuren Restaurant, denn wer in teuren Restaurants verkehrte, den taxierte man nicht auf Sparsamkeit, wenn er noch so sparsam bestellte, wurde also nicht daran erinnert, sondern durfte vergessen . . . . und darin lag ja für sie die Pointe.
Noch irrte sie unschlüssig umher, als sie in Transparenten den Namen eines Weinkellers funkeln sah, vor dessen Eingang ein mächtiger und gallonierter Schweizer Posten stand. Neugierig trat sie ein, ging eine Treppe hinab und betrat einen niederen, nicht übergroßen, aber eleganten Saal, in dem nicht die übliche grelle Beleuchtung vorherrschte, die sie haßte, sondern jedes der runden Tischchen von einer flotten, mit roter Seide umschirmten kleinen Lampe beschienen war. In der Mitte spielte eine Kapelle, frisch aus Oberbayern oder Niedersachsen importiert, für ein sehr zahlreiches, gut situiertes, wenn auch gemischtes Publikum. Leer stand nur ein Erker mit zwei Tischchen, gleich beim Eingang.