„Solche Blicke zu werfen!“ dachte die tanzende Mariclée. Warum hatte sie sich um diese Kunst betrügen lassen, sie, die niemand etwas schuldete? Der Wortlaut der Zeitungsnotiz brauste jetzt wieder in ihren Ohren. Was war da noch zu hoffen? — Vielleicht trug man ihn die Treppen auf und nieder, wie vergangenes Jahr. Vielleicht hatte man ihm ihren Brief nicht nachgesandt, vielleicht war er zu krank ihn zu lesen.

Sie warf sich in einen Stuhl und ihr Partner setzte sich zu ihr. Er war ihr Tischherr gewesen und sein Äußeres hatte sie mehr frappiert als seine Worte. Wenn nur unsere deutschen Männer so aussähen! dachte sie. Welche Gestalt, welche Zeichnung. Er erzählte ihr jetzt vom Burenkrieg und daß er so viele Kameraden dort verlor. Und er haßte die Deutschen.

Mariclée schüttelte den Kopf. „Woher stammt unsere heutige Unrast, unser die ganze Welt umspannendes Heimweh?“ seufzte sie. „Halbheit ist überall und rückständig sind wir alle. Auf die Dauer ist heute jeder Ort verschlagen und dem Gefühl entlegen.“

„Oh!“ räumte er auf. „I dont find that at all.“

Mariclée lachte und sah ihm ins Gesicht.

Aber wo war die Dame in dem schweren Atlaskleid, das flammende Blau mit den schwarzen Reflexen fehlte im Bilde wie der starre Guß des Rockes, glatt wie Erz, der ihre edlen Maße besang.

Der Saal lag im Erdgeschoß, ein paar weit auslaufende, breite Marmorstufen führten direkt in den Park, das Wetter war so milde, daß die Flügeltüren offenstanden.

„Sie haben die berühmte Fontäne im Park noch nicht gesehen?“ sagte ihr Partner nach einer Weile, „darf ich sie Ihnen zeigen?“

„Jetzt?“ rief sie erstaunt. „Es ist ja dunkel.“

Sie glaubte ein leises Befremden in seinen Augen zu lesen, und weil ihr nichts so verhaßt war, als für eine Naive zu gelten: „Wo ist sie denn?“ setzte sie schnell hinzu.