„Ich kann ihn nicht leiden,“ gab er zu. „Wissen Sie noch, wie Sie einmal in Venedig vor dem Schalter kehrt machten und Ihren Brief nicht mehr aufgeben wollten, weil zufällig drei Klosterfrauen davor standen?“

„Nicht zufällig,“ sagte sie, „jener Brief war eine große Dummheit.“

„Das kann schon sein.“

Aber sie ließ sich nicht beirren.

„Früher hatte jede Gilde ihre Tracht, aber das ist vorbei. Läuft der Richter in seiner Toga über die Gasse? Er wäre bald genug ein Ärgernis. Je höher das Amt, je mehr verpönt es heute das Kostüm. Nur die Livree hat sich erhalten.

O,“ fuhr sie lebhaft fort, „nie und nimmer ist etwas sinnlos.

Warum bringt der Kaminkehrer Glück? doch einzig und allein, weil sich Habitus und Gewerbe bei ihm so glücklich decken und es so motiviert ist, daß er mit einer Leiter und so berußt einhergeht.“

Er lachte sein verwöhntes, melodiöses und gedehntes Lachen, das sich an seinem eigenen Klange fing.

„Ich freilich,“ gestand er plötzlich, „vertrage das Religiöse nur sehr verkappt.“

„Es ist die Zeit der großen Marodeure,“ sagte Mariclée, „Gerhart Hauptmann wirbt dem Gottmenschen neue Proselyten und Uhde wurde zum Doktor der Theologie ernannt.“