Das seltsame Paar blickte schweigend nach derselben Richtung, wo ein schmaler Streifen Land immer mehr zurücktrat. Zu ihren Füßen trieben beschattete Wogen ihren mattsilbernen Schaum.

Warum gedachte da Mariclée des Tages in Venedig, da er sie vor die Statue des Colleoni geführt und Worte der Begeisterung vor sich hingemurmelt hatte, während sie von der Statue zu ihm hinübersah, weil es sie frappierte, wie sehr alles, was er von dem Standbild sagte, für ihn selber galt.

Er war so ganz Körper, — so unkörperlich! Auch sein Bild zog jenen ewigen Bannkreis, der, man wußte nicht wie — dem Tode zuwiderlief und ihn verneinte und zurückwies.

Zwar hatte sich die Krankheit an ihn gewagt, er war nicht mehr so schön, ach nein! Die Schultern kamen ein wenig schmäler heraus, die Schläfen waren ein wenig eingesunken, das Relief fing an zu verblassen. Trotzdem blieb seine Marke jenes unvergänglich stolze Etwas, das die Statue des Colleoni charakterisierte und sich dem Tode entzog. . . .

„Nun?“ sagte er, und wandte sich ihr zu.

„Ja, hier ist es freilich schöner.“

Eine warme, windstille Luft begleitete das Schiff und das Meer war Musik. Aber so glatt! dachte sie. Da kann man unmöglich lang seekrank bleiben.

Bald darauf flog die „Möwe“ am anderen Ende, wo die zwei schwarzen Tanten saßen, wieder auf und bildete dort eine Gruppe, bei der man unwillkürlich an die drei Damen der „Zauberflöte“ denken mußte. Dann trat sie näher und gesellte sich zu ihnen, die ausgestandenen Nöte standen auf ihrer blassen Stirn und ihren zusammengezogenen Brauen geschrieben, und der Hut hing ihr am Arme, als scheue sie dessen Last. Am Geländer lehnend, zog sie ein kleines, silbernes Teesieb hervor; es war nach einem neuen praktischen System hergestellt, und sie hatte es aus London mitgebracht.

„Soll ich Ihnen auch so eines schenken?“ sagte sie zu Mariclée.

Da ertönte ein Gong.