„Ich gehe sie doch hinunter,“ gab er ihr mit einem sonoren Nebenklang zurück, der sie unweigerlich beiseite schob.
Mariclée machte Miene umzukehren. „Ich habe doch den Lift,“ sagte er schneidend. Da folgte sie ihm.
Unten stand ein niedlicher Flügel, den er alsbald öffnete, und während sie ihm die paar Stücke vortrug, um die er sie bat, lag ihr nichts anderes im Sinn. Aber nicht lange und sie drehte sich auf ihrem Stühlchen um, denn er stand hinter ihr. Denn die Zeit, die ihnen blieb, war nur mehr nach Minuten gezählt, und sie wollte ihn sehen. So lachte sie etwas gezwungen und sah ihn mit angestrengten Blicken an, die, seltsam umblaut, Lasten zu ziehen und sich zu schleppen schienen. Da sie sich nicht länger auf ihr entlegenes Gerede, das sie selber nie betraf, konzentrieren konnten, war jetzt ihr Ton merklich salonmäßiger und oberflächlicher geworden. Aber während Mariclée ihrer Stimme wundervoll gebot, verrieten sie jetzt ihre strahlenden Hände — ja mehr noch, sie gewährte ihnen — und ob sie sich senkten oder gleichsam wider ihr eigenes Leid erhoben und schwebten und wieder zurückfielen, immer sagten sie aus, was sie verschwieg und hielten ihre eigene Zwiesprache mit dem Schatten von Freudelosigkeit, ja von Bedrängnis, der sich jetzt über die gelassenen Züge des kranken Mannes senkte.
Ein Steward erschien an der Türe: „Cherbourg,“ rief er herein und verschwand. Es war, wie wenn schnell und lugüber eine Elster vom Aste aufstiegt und sich sogleich wieder verbirgt.
„Es wird noch eine Weile dauern. Sie werden sehen,“ sagte er. Aber sie schritt schon dem Ausgang zu.
„Nein, nein; es ist Zeit.“ Es war ihr in der Tat, als hätte sie Eile. Und sie verließen den Saal.
„Hier ist der Lift, Sie dürfen nicht weitergehen,“ sagte sie. Aber er folgte ihr die schmalen Gänge des Zwischendecks entlang, die eine erdrückende und heiße Luft erfüllte.
„Sie müssen gehen,“ sagte sie und hielt inne. Aber er stellte sich taub. Da gingen sie weiter ohne ein Wort.
Und obwohl jene Macht, die sie einst, und wenn die Straße, die sie gingen, noch so weit war, so magnetisch zusammenschloß, daß sie als eine Gruppe wandelten, sie jetzt so magnetisch schied, daß sich zwischen den eng zusammengepreßten Wänden ihre Schultern, die sich kannten, niemals auch nur streiften, gingen sie dennoch nach Einem Rhythmus und wie aus Einer Form gegossen. Denn in Wahrheit waren sie Eins.
So zogen sie tief hinab, wo sich die dunstigen Räume immer niedriger schichteten und die Flanke des Schiffes sich rundete und auslief, hier gähnte ein gewaltiges Loch. Es war ein Spalt, groß wie ein Scheuneutor und ein Gebrause wie von einer Mühle. Denn hier lag die Barkasse dem Dampfer an. Aber den Zugang blockierte noch die Mannschaft, und es war ein großes Hin und Her. Denn das Schiff war nicht in den Hafen eingelaufen, sondern hielt sich an der Mündung, und was es an Briefsäcken aufnahm und an Frachten ablud, vermittelte das Boot.