Es gab zu diesem Essen eine unvergleichliche Pastete. War sie wirklich so vortrefflich, oder würzte sie zur Götterspeise das Gefühl des Sieges und der überwundenen Krankheit? Zwei Riesenstücke hatte ich schon davon gegessen und fuhr trotzdem fort, ihr Blicke zuzuwerfen. Auf einer Seite hielt sich noch eine Kruste aufrecht. Etwas wie eine halbe Entschuldigung, ein verlegenes Lächeln, und ich streckte sie hin. Denn die Fenster sahen auf den Hof, und dort stand ja schon das Wägelchen gerüstet, und meine Koffer lud man jetzt schon auf. Es folgten nur noch die paar Augenblicke in dem verhängten Salon, wo die Schatten alle Dinge schonten und man den Himmel weinen hörte über dieses Haus. Meinem stets vorgreifenden Gemüte war es schon abgerückt, derweil ich mich noch darin befand; schon war sie mir vergangen, diese ganze Zeit, mit der ich erst im Begriff stand abzuschließen. Weggeblasen die lächerlichen Klavierabende; alles vergessen, da es überwunden war!
Zum ersten Male seit meiner Ankunft schwang ich mich wieder auf den hohen Sitz, von dem aus die Hexe ihr schemenhaftes Roß kutschierte. Entzückt von den Schönheiten des Weges, seinem Flüßchen, seinem Immergrün, hoben sich meine Arme zum Gruß der Rosen, die so spät von einem ewigen Sommer träumten im Schutz des trügerischen Laubs.
In San Gervasio stieg ich aus.
„Ich hoffe,“ sagte die Hexe, – denn nichts hätte gesitteter sein können, als unser Auseinandergehen – „ich hoffe, Sie besuchen mich, falls Ihr Weg Sie wieder in die Gegend führt.“
„Ich werde gewiß nicht verfehlen.“
„Sie sind noch erkältet. Nehmen Sie sich in acht. Sie werden eine kalte Reise haben.“
Ich lachte. Mochte das verderbliche Weib sich wundern über mein leichtes Herz. Später, irgendwann, sollte es von meiner Übersiedelung nach Fiesole erfahren, als hätte es sich auf Grund einer Begegnung ganz improvisiert und zufällig ergeben. Denn so war es ausgemacht. Und alles fügte sich gut. Ihr Gefährt war außer Sicht, bevor ich den Zug bestieg, der statt nach Florenz den Hügel von Fiesole hinauffuhr.
Neuntes Kapitel
Hier oben setzte nun jenes Zwischenspiel ein, welches die Oase, die selige Insel, die gedeckte Brücke darstellte über eine sonst wie auf geheime Weisung mit großen und kleinen Steinen immer neu versperrte Bahn. Glatt wie Marmorfliesen lief sie plötzlich dahin. Ich sah nur mehr in die Luft und residierte auf Wolken. Die Geschwindigkeit, mit welcher der auf Verwehrungen Gestellte sich an Erfüllungen gewöhnt, scheint darauf hinzudeuten, diese seien letzten Endes doch unsere eigentliche Bestimmung ... Geschmeidig, wie ein nach Maß verfertigter Handschuh, paßte mir die Freude nach drei Tagen an. So sollte es bleiben, und so war es recht. Blumengewinden gleich schlangen sich die Stunden hin; schade um die, welche man verschlief. Des Nachts lag ich noch lange in dem breiten Fenstersims meines Zimmers; zu meinen Füßen lag die glitzernde Stadt, vom Mondlicht überströmt, und ruhelos überdachte ich die Genüsse des vergangenen wie des kommenden Tages. Es fehlte nicht an Depeschen, die mich bald zu diesem, bald zu jenem Vergnügen hinunterriefen und die mir schmeichelten. Aber am schönsten war es doch hier oben, am liebsten sah ich es, wenn die paar witzigsten oder schönsten Florentiner in dem tiefen und dunklen und doch so frohgemuten Saale sich zu uns gesellten, dessen Tisch, ans äußerste Ende gerückt, sich wie auf einer Bühne ausnahm, nur von Kerzen beleuchtet, in deren Schein die Gesichter noch schöner, die Gespräche noch beschwingter wurden. Doch wer auch kam, immer war es Mary Coroughdeens Vorsitz, der unsere Tafelrunde krönte. Denn wessen Blicke schweiften geruhsamer, welcher Mund lächelte