„Keine Waffe scheint dafür zu schlecht,“ und er deutete auf die Blätter und Zeitschriften, die ihm offenbar soeben zugekommen waren. Vor ihm lag eine Revue aufgeschlagen.
„Ist Ihnen das schon bekannt?“ fragte er, und nannte die Beschuldigungen, die in heuchlerischen und perfiden Protesten gegen ihn erhoben wurden.
„Warum in aller Welt lesen Sie dieses Zeug,“ rief ich und starrte ihn verwundert hinter den verschnörkelten Gittern meines Schleiers an. Aber er machte kein Hehl daraus, wie sehr es ihm zu Herzen ging. Ich war aufgesprungen.
„Monseigneur,“ rief ich, „Sie müssen doch wissen, daß Sie der Halt einer verstreuten kleinen Gemeinde sind, die einfach durch die Tatsache, daß Sie da sind, lediglich durch den Eindruck Ihrer Existenz beherrscht, verankert, durch Sie allein gehalten ist.“
„Es freut mich,“ sagte er, doch ohne daß seine Züge sich erhellten. „Aber sehen Sie — es können doch auch Rechtdenkende an mir irre werden, wenn sie alle diese Schmähungen lesen.“ Und er deutete wieder auf die Blätter hin.
„Das ist mir zu viel Bescheidenheit,“ gestand ich.
Wir sprachen dann von anderen Dingen, aber auch sonst war eine Unfreude und Entmutigung an ihm, die ich nicht kannte.
Die Straße lag brütend vor mir, als ich wieder aus dem Hause trat, aber ich ging zu Fuß meinen langen flimmernden Weg.
Ist uns nicht, als wollten wir immerzu gehen, ungestört unser Lebtag lang, wenn infolge eines starken Kontaktes ein geistiger Pendel in uns schwingt? Es kann sein, daß dann unsere Füße ganz mechanisch einsetzen, nicht wahr, oder wie eingewurzelt stehen. Zwar hatte ich Duchesne gegenüber die richtige Note wohl nicht getroffen. Schnell fertig hatte ich unüberlegt geglaubt, er würde sich mit ein paar schlechten Witzen und einem ironischen Achselzucken über den obskuren Tumult hinwegsetzen, der ihn verfolgte, und während er meinen Besuch als eine Sympathiekundgebung erwartete, hatte ich ihm nur Lebhaftigkeit bezeigt. Es war gewiß schade, dennoch konnte mich das Bedauern darüber nur flüchtig stören. So leicht wog da alles Persönliche! So unnachhaltig erwies es sich!
Ich erinnere mich keines heißeren Tages wie jenes 14. Juli in Paris. Die Häuser waren beflaggt, aber die Straßen schienen zu trauern, da keine Fahne sich regte. Erst nachts, als ich zur Bahn fuhr, belebte sich das Bild. Singendes Volk schwärmte durch die Straßen, und alle Leierkästen der Stadt orgelten durch die Luft. Ein Mädchen tanzte, hocherhobenen Kopfes, unter dem dunklen Himmel, von Zuschauern umringt.