Verwirre sie nicht, schrieb jetzt Eleonore, und als sie diese Worte gelesen hatte, legte sie augenblicklich die Feder weg. Nichts hätte sie vermocht, sie wieder aufzunehmen. Die Sitzung war zu Ende.
23. MÄRZ. Ich fahre nach Bern zurück. Fortunio kommt mir entgegen, und ich frage ihn, was von den Berichten über die Verwüstungen zu halten sei. „Die deutschen Communiqués geben sie ja selber zu,“ seufzte er, „sie brüsten sich sogar.“ Wir überschritten den Platz zum Kasino. Das Gebirge strahlte im vollen Ornat. Wir setzten uns ins Freie und starrten, Verbündete der Verzweiflung, ohne zu reden, vor uns hin.
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Fortunio fragte, warum ich in Zürich gewesen sei, und ich verweigerte die Auskunft.
24. MÄRZ. Auch meine vier Wände sind mir verleidet. Die Sonne scheint grell, verletzend, und nachts faßt mich der Schlaf nur wie eine Kranke, um mich zu erschrecken. Ein Gesicht wendet mir so gemarterte Augen zu, daß ich erschüttert frage: „Hast du Arme denn nicht ausgelitten?“ und fahre stöhnend auf, weil es nur der Reflex von einem Kummer war, den diese Augen spiegelten. Nur ein überschwängliches Mitgefühl.
25. MÄRZ. Gestern abend bei Fortunio war Abigail von der Agence, der hartnäckig am Thema der Verwüstungen festhielt. Auf dem Heimweg wurde er immer dringlicher. Logisch, folgerichtig wäre es, zu den Ereignissen Stellung zu nehmen; unvereinbar mit meiner bisherigen Haltung, wenn ich schwiege. „In der Tat!“ rufe ich in einem Tone, der bitterer ist als Galle. „Sie reden, als wüßte ich nicht, daß Ihr die Dinge glaubt, die Telramund Euch von mir sagt.“
Doch Abigail nahm alsbald seinen Vorteil wahr: „Sie haben es ja in der Hand, Ihre Freiheit des Handelns zu dokumentieren!“ Je mehr er mich in die Enge trieb, desto schwerer wurde mir zumute, hatte er mir doch meine eigenen Gedanken verraten.
„Es wird nicht gut.“ Und ich erzählte ihm meine Züricher Reise.
Er war mächtig interessiert. Ich ließ ihn trotz der späten Stunde zu mir herauf und zeigte ihm das Blatt Eleonorens. Es enthielt nichts, was ihm behagte. „Die Hand eines Kindes“, sagte er wegwerfend. Ich bereute schon, es ihm gezeigt zu haben, und wünschte ihn die Treppe hinab, riß die Fenster auf, als er gegangen war, und warf sie ruhlos, verlassen, gepeinigt wieder zu.
25. MÄRZ. Wie in aller Welt haftete Pech meinen zehn Fingern an? Aber ich täuschte mich ja! Es war ein Irrtum . . . ah, es war ein Traum, so lebhaft aber, daß ich mit beiden Händen in die Höhe fuhr.