13. APRIL. Den Abend mit Fortunio und Abigail verbracht. Wir sprachen von Träumen. Abigails sehr spekulatives Gehirn kann sich in so feinen Windungen verlieren, daß es sich beizeiten von seiner höchst stofflichen Person vollkommen losgelöst darstellt. Plötzlich, mitten in einem Satz, den er sagte, lebte ein geradezu abscheulicher Traum der vergangenen Nacht in mir auf, und schon begriff ich nicht mehr, daß ich mich jetzt erst auf ihn besann, unterbrach aber sofort das Gespräch, um ihn zu erzählen. — „Achtung!“ rief ich, „so etwas Widerliches habt Ihr noch nicht gehört:

Ein Mann, von dessen schwarzem, fettem, unbeschreiblich schmutzigem Haare dichte graue Schuppen auf seinen Anzug regneten, war dicht an meine Seite getreten. Dabei zog er mit einem Kamm durch diese Strähne von nie dagewesener Schmierigkeit, so daß der graue Regen immer dichter fiel. Ich rückte unwillkürlich von ihm weg, da fuhr er weitausholend mit diesem treibenden Kamm in mein eigenes Haar, ich fühlte ihn noch darin stecken und erwachte vor Ekel.“

Fortunio schwieg. Auch der zu Kommentaren schnell bereite Abigail äußerte sich mit keinem Ton.

„Es steht mir natürlich etwas höchst Widerwärtiges bevor!“ nahm ich selber auf. Auch diese Bemerkung weckte kein Echo. — Man ging auf konkrete Dinge über. Es wurde spät. Fortunio erwähnte das neue Blatt, welches Telramund schon in den nächsten Tagen zu starten gedachte und wie jemand, der sich ungern etwas zu sagen entschließt: „Er, beabsichtigt übrigens, eine Übersetzung Ihres Protestes in seiner ersten Nummer abzudrucken.“

„Was fällt ihm ein!“ rief ich. „Das kann er nicht.“

„Er kann es schon“, sagte Fortunio.

„Die Friedenswarte bringt sie.“

„Er will ihr zuvorkommen.“

„Ungefragt? Ohne sie nur zu zeigen?“ fuhr ich im lichterlohen Zorne auf. „Sie sind Zeuge, daß er mir nichts von einer solchen Absicht verriet, als er vorgestern zu uns stieß. Ich figuriere nicht in diesem Blatt.“

„Fassen Sie sich doch!“ sagte Fortunio.