Der heutige Tag war für Viele, welche diesem Brunnen zunächst wohnen, ein heiterer Festtag. Der Bau der Köhlerwohnung daselbst war so weit gediehen, daß sie gehoben werden konnte, und nun ihrer baldigen Vollendung entgegen sieht. Nicht jedes Volk ist so glücklich, Stätten nachweisen zu können, an welche es, wie es hier geschehen darf, der Anfang eines Jahrhunderte hindurch fortdauernden Glückes anknüpfen kann. Sinnbildlich erinnert uns auch die Quelle, welche seit Jahrhunderten ununterbrochen hervorsprudelt, und deren Wächter dieses Haus erbauet wurde, an jene Quelle, die seit dieser Zeit unserm Vaterlande Glück und Segen strömt. Hierdurch empfing der 27. September d. J. eine eigenthümliche Weihe. Das Musikcorps, aus Bergleuten von der benachbarten Grube »Gottesgeschick« bestehend, hatte sich freiwillig zu dieser Festlichkeit eingefunden. Es stimmte zuerst einen feierlichen Chorgesang an, dann sprach der Baumeister zu den zahlreich Versammelten die Empfindungen aus, mit welchen er – auf Geheiß des treuen Sachsenvolkes – dieses Wächterhaus soweit aufgerichtet habe, und nachdem er die heißen Wünsche für das fortdauernde Wohlergehen unsrer allverehrten Königsfamilie ausgesprochen hatte, gedachte er dankend derer, welche ihn durch ihre Beiträge in den Stand gesetzt hatten, diese Wohnung aufführen zu können – er vergaß auch dessen nicht, welcher aus dem königl. preuß. Herzogthum Sachsen, ohne Nennung seines Namens, einen mit herzlichen Worten begleiteten Beitrag eingesendet hatte. – Unwillkührlich stimmten hierauf die Versammelten aus vollem Herzen ihr »den König segne Gott!« an. Erst, als der Sonne letzte Strahlen auf das in alterthümlicher Einfachheit sich erhebende Köhlerhaus fielen, trennten sich die Anwesenden von einander, herzliche Grüße der Liebe und Verehrung von den Bergen der erhabenen königlichen Familie aus der Ferne zusendend. –
Nachschrift. Gelingt es den ehrerbietig ausgesprochenen Bitten der thätigen Leitern dieses Baues, so dürfte das Wohnzimmer des Köhlers mit Copien von Gemälden[105] geschmückt werden, welche einzelne Ereignisse dieser Zeit darstellen, vielleicht mit den Copien von den Portraits des Köhlers Schmidt, des Kunz von Kauffungen und a. welche sich in dem Besitze eines erlauchten Fürstenhauses befinden.« –
Nachstehende Rede (verfaßt von dem Herrn Pastor M. Richter zu Grünhain) wurde am 27. Septbr. 1838 bei der Hebung des Köhlerhauses gesprochen:
»Ein frohes Gefühl ergreift mich, daß ich als Baumeister dieses Wächterhauses, Ihnen allen geehrte Anwesende, die gewiß meine Freude theilen, den aufgerichteten Giebel zeigen, sein fest zusammengefügtes Gebälk, über welches bald das schützende Dach sich breiten wird, beschauen lassen kann. Sehen wir doch jetzt schon im Geiste den treuen Wächter der Quellen, den Köhler, hier, als aus seiner Wohnung aus- und eingehen, eine graue Vergangenheit taucht vor unseren Blicken wieder auf und wir Glücklichen schauen freudig hinein, weil mit dem Ereignisse, dessen heilige Erinnerung hier bewacht werden soll, eine gesegnete Zeit für uns begann, den Wohlstand unsers theuern Vaterlandes unter dem milden Scepter aller derer, welche in Albrecht ihren Ahnherrn verehren, immer herrlicher und herrlicher erblüthe. Ja, gewiß! wie diese Quelle hier, seit Menschen sie sahen, nie versiegt ist, so fließet auch heute noch die reiche Quelle des Segens von dem Throne, da unser hochverehrter König, der Wächter unsers Wohlstandes ist – und trägt Glück und Friede in Hütten und Palläste. Ich muß es Ihnen gestehen, wenn ich so zurichtete das Gebälk, und neben mir im geschäftigen Fleiße die Maurer Stein auf Stein fügen sah, da nahm der Gedanke mein ganzes Herz ein; eine große Familie will eine schöne Erinnerung nicht untergehen lassen, ein sichtbares Zeichen der dankbaren Liebe will sie aufrichten, welches der Nachwelt erzählen soll, daß sie empfangene Liebe zu schätzen wußte, sie sammelt sich, freudig dankend, um diejenigen, welche jetzt Vater und Mutter dieser großen Familie sind und rufen Ihnen von den Bergen zu: lebet hoch! –
Allen den erlauchten Verwandten dieses Vaters und dieser Mutter: sie leben hoch!
Derjenige, welcher jetzt unter fremden Scepter glücklich wohnend auch mit bauen wollte die Hütte, weil sein dankbares Herz es ihm gebot, der aus weiter Ferne seine Gaben sendete, er lebe hoch![106]
Die als die Bauherren den Grundstein legten, sie leben hoch!
Den künftigen Bewohnern dieser Hütte schenke Gott glückliche Tage und nehme sie, wie diese Hütte, in seinen besondern gnädigen Schutz!« –