Sobald nun das Haus gehoben war, schritt der Bau bald vorwärts, durch die Bauunternehmer,[107] so daß es noch vor dem Winter bewohnbar hergestellt werden konnte. Der 1ste November 1838 wurde der Tag des Einzuges einer zwar armen aber ganz rechtlichen Bergmannsfamilie[108] aus Raschau, die also noch vor dem strengen anhaltenden Winter ein sicheres Obdach erhielt. Den 9. November 1838 wurde von der hohen Kreisdirection die Schankconzession, doch mit der Beschränkung nur anständige Gesellschaft dort zu dulden, ertheilt.
So wurde denn diese Stelle ein Ort, wo man nur gerne weilt und dabei sich als ein Punkt auszeichnet, der schon von der Natur durch das grüne Oswaldsthal in dem der Oswaldsbach von Waschleute nach Wildenau fließt, geschmückt ist, was man von dem Köhlerhause herab sehen kann, und dem gegenüber die Säulen des Fichtelgebirges sich majestätisch erheben, der aber auch durch die Ansicht der Berggebäude Gottesgeschick und Graul so wie der Ruinen der Oswaldskirche vieles malerische erhält. Der Fremdling wie der Einheimische wird hiervon angezogen und danket noch immer der Vorsehung für die Erhaltung des sächsischen Regentenhauses! –
Das Haus nimmt einen Flächeninhalt von 5 □ Rth. ein und ist ungefähr 60 Ellen seitwärts vom Monumente entfernt. Auch ist den Bewohnern desselben ein 224 □ Rth. großes Stück Waldboden zugewiesen worden, wovon 189 □ Rth. als Feld und 65 □ Rth. als Wiese benutzt werden kann. Das Feldstück liegt südöstlich von dem Köhlerhause, das Wiesenstück aber unmittelbar unter dem Hause.
Im Frühjahr 1839 wurde das Köhlerhaus vollends aufgebaut, daher erfreute sich solches schon im Laufe des ganzen Sommers 1839 eines ungetheilten Beifalls und zahlreichem Besuche, was das dort befindliche Fremdenbuch hinlänglich bescheiniget.
Der 8. Juli 1839, Jahrestag der Befreiung des Prinzen Albrecht, wurde diesmal als der Tag der Einweihung des Köhlerhauses feierlich begangen, was man aus dem No. 29. des Erzgebirgischen Voigtländischen Kreisblattes vom 16. Juli 1839 pag. 216. befindlichen Aufsatze schließen kann. Dessen Inhalt war folgender:
»Fürstenberg bei Grünhain, am 8. Juli 1839. – Das durch Beschädigungen sonst vielfach verunstaltete aber immer wieder hergestellte hiesige Denkmal zur Erinnerung an die Befreiung des Prinzen Albrechts von Sachsen am 8. Juli 1455 hat endlich nun nebst der dasselbe umgebenden Waldung einen bleibenden Schutz durch das hier neu erbaute Köhlerhaus, in welchem dessen Wächter wohnt, gefunden. –
Recht erfreulich ist es dabei, daß viele noch gegenwärtig das Unternehmen, hier eine bewohnbare an den entschlossenen Befreier, den Köhler Schmidt, nachher Triller genannt, erinnernde Köhlerhütte herzustellen freiwillig unterstützen. So hat Herr Buchbinder Buchner in Schneeberg zum gestrigen Tage ein recht geschmackvoll gefertigtes Fremdenbuch diesem Orte unentgeldlich gewidmet und vorzüglich Herr Kaufmann Gottschald in Scheibenberg den neuen Wächter daselbst, dem seine erste Einrichtung manchen wesentlichen Aufwand verursachte, der zur Zeit noch seine Mittel übersteigen mußte, namhaft dabei unterstützt. Auch gestern, wo ein heiterer Sommertag der ganzen, jedem Sachsen heilige Stätte ein recht freundliches Aeußere verlieh, sind wieder freiwillige Beiträge zu diesem Unternehmen gesteuert worden. Die Aufforderungen, welche hierzu neuerlich in den öffentlichen Blättern besonders durch den für alle gemeinnützige Gegenstände mit vielem und beharrlichem Eifer erfüllten Herrn Pastor M. Richter in Grünhain[109] erfolgt sind, lassen daher wohl noch manche weitere Unterstützung erwarten. Sollte es hierdurch mit der Zeit gelingen, daß die im Innern des Köhlerhauses angebrachten Räume zur geselligen Aufnahme die jetzt noch entbehrenden Oefen[110] erhielten, – eine in der hiesigen ziemlich rauhen Gegend ganz nothwendige Zimmerausschmückung, – so läßt es sich wohl erwarten, daß dieser historisch reich und von der Natur sehr freundlich ausgeschmückte Punkt dereinst zu jeder Jahreszeit von Fremden wie Einheimischen zahlreich besucht werden wird.
Bei dem Festmahle am gestrigen Tage zeichneten sich vorzüglich die in dichterischer Form recht gelungen angebrachten Toaste des Herrn Oberzollinspectors Frege in Annaberg, Herrn Kammerath Reiche-Eisenstuck von dort und des Herrn Pastors Behr zu Schwarzenberg aus. Dem Schlusse des Tages war ein Concert im Freien gewidmet und gegen Abend ein Feuerwerk, wobei zuletzt eine Opferflamme, auf der Spitze des pyramidenförmig gebauten Denkmales angebracht, die allgemeine Liebe der Sachsen an ihr hochverehrtes Regentenhaus verkündete.« –