Wie die Schön Magelona entschlief in dem Schoße des Peter, und wie er große Lust hätt, sie schlafend an zu schauen, doch zu Ende zornig ward, als ihr hernach hören werdet.
Wie ihr oben gehört habt, daß die Schön Magelona in dem Schoße des Peter entschlief, da hätt der Peter keine größer Lust, dann im Anschauen seiner aller Liebsten; er kunnt sich auch nicht ersättigen der Schöne, die er da vor sich sah. Und da er sie genug besehen hätt, ihren schönen roten Mund, auch das Angesicht, da kunnt er sich nicht enthalten, schnüret auf ihre Brust, zu beschauen auch ihre schneeweiße Brust, die weißer war zu sehen, dann ein Kristall; griff an ihre schönen Brüstlin. Als er solches tät, ward er in der Liebe ganz entzundet und verzucket. Gedauchet ihn, er wäre im Himmel, gedacht auch, Unglücke möchte ihm nichts schaden. Doch diese Lust blieb ihm nicht lang; wann darnach erlitt er unübertreffliche Pein, als ihr hernach werdet vernehmen.
Da nun der Peter die Schöne Magelona wohl besehen hätt, da sah er ungefähr einen roten Zendel zusammen gewickelt zwischen ihren Brüstlin liegen. Da überkam ihn große Lust, zu erfahren, was es wäre, und nahm es heraus und wickelt es auf. Da fand er darinnen liegen die drei schönen Ringe, die er ihr geben, und die sie also lieb hätt und auf hub von seinen wegen. Da sie nun der Peter gesehen hätt, wickelt er's wieder in den Zendel wie vor und leget sie neben sich auf die Seiten auf einen Stein und begunnt, die Schöne Magelona wieder an zu sehen, und ward also verzucket in der Liebe, daß er nicht wußt, wo er war.
Aber GOTT der Allmächtig erzeiget ihm, wie daß in dieser Welt kein Freude wäre ohn Traurigkeit, und schicket darhin einen Vogel, der da lebet von dem Raub. Der ersah den Zendel, und vermeinet, es wäre Fleisch, erwischet ihn und flog darvon.
Wie Peter dem Vogel nach folget und warf zu ihm mit Steinen, aber der Vogel ließ den Zendel ins Meer fallen.
Da der Peter solches ersah, daß ihm der Vogel die Ringe hätt hinweg geführet, ward er zornig; wann er gedacht, so es die Schön Magelona, die er dann ungerne erzürnen wollt, erführe, es würde ihr nicht gefallen. Er leget seinen Mantel säuberlich unter ihr Haupt, damit sie nicht erwache, und folget dem Vogel nach, warf mit Steinen nach ihm; wann er verhoffet, er wölle die Ringe ihm wieder ab jagen. Und trieb es so lang, bis der Vogel den Zendel mit den Ringen ließ in das Meer fallen. Dann saß er auf einen kleinen Felsen nahe bei dem Erdreich. Jedoch zwischen dem Felsen und Erdreich war eine große Menge des Wassers, es mochte keiner hinüber kommen, von Sorge wegen, daß er nicht ersaufe. Auf dem Felsen saß der Vogel, und wurf der Peter mit Steinen zu ihm, und dränget ihn also sehr, daß er die Ringe ließ ins Meer fallen, und flog darvon.
Da mochte der Peter nicht hinüber vor Wasser, er wäre sonst ersoffen, wie wohl es nicht weit war von dem Lande. Da fing der Peter an, hin und her zu suchen, ob er möchte was finden, darinne er sicher hinüber kommen möchte. Und sprach wider sich selber: „O mein GOTT, was habe ich getan! Hätte ich die Ringe liegen lassen an ihrem Orte, da sie wohl und sicher lagen! Ich meine, sie werden mir wohl bezahlt, des gleichen der Schönen Magelona. Wann ich lang aus bleibe, wird sie mich suchen.“
Also suchet der Peter so lang am Gestad, bis er fand einen kleinen alten Kahn, welchen die Fischer verlassen hätten, dieweil er nichts nutze mehr war. Der Peter stieg hinein und ward wieder erfreuet; aber sein Freude währet nicht lang. Wann er nahm einen Stecken in die Hände, den er ohngefähr hätt gefunden, und leitet sich darmit hinüber gegen dem Felsen.