Aber GOTT der Allmächtig, der alle Ding machet nach Seinem Göttlichen Willen, schicket, daß ein großer Wind auf stund; der nahm den Peter mit Gewalt und führet ihn auf das hohe Meer über seinen Willen. Da er sah, daß er je länger, je mehr von dem Erdreich kam, und wußte ihm nicht wider zu stehn, und tät betrachten die große Gefährlichkeit des Todes, darinne er war, und daß er hätte die Schöne Magelona, die er mehr liebet dann sich selbst, also verlassen in dem Holze liegen schlafen, und besorget, sie würde sterben eines bösen Todes, und würde verzweifeln ohne Hilf und Rat, gedachte er, sich selber in das Meer zu werfen. Wann sein edels Herze mochte nicht mehr dulden, noch erleiden solchen Schmerz. Doch der, so da versuchet, die Menschen dieser Welt durch mancherlei Trübsal und Leiden zu leiten zu der Geduld, wollte nicht über ihn verhängen, daß ihm was an seinem Leib widerführe.
Da kam der Peter wieder zu sich selber als ein rechter christlicher Mensch, und rief an GOTT den Allmächtigen und sprach wider sich selber also: „Ach, böse bin ich! Warum will ich mich selbst töten, die Weil ich dem Tod also nahe bin, der da zu mir laufet, mich zu fahen! Ich darf ihn nicht suchen. O allmächtiger, ewiger, gütiger GOTT, ich bitte Dich, Du wollest mir vergeben alle meine Sünde, und was ich je wider Dich gehandelt habe. Wann wider Dich, o allmächtiger GOTT, habe ich gesündiget, daß ich wohl eines ärgern Todes schuldig wäre dann dieses. O GOTT, erbarme Dich mein! Ich will ihn auch gerne leiden, ich wollte ihn auch lieber leiden, so ich wüßte, daß mein aller liebster Gemahel keinen Schmerz leiden sollt. Aber es kann nicht gesein. Ach wehe, ach wehe, mein aller liebste und schönste Magelona, ein Tochter eines mächtigen Königs, wie wird euer Leib und Herze erleiden mögen, sich alleine in der Wüsten zu finden, dieweil er also zärtlich erzogen ist! Ach wehe und aber wehe, bin ich nicht ein falscher und ungetreuer Mensch, daß ich euch hab aus geführet aus dem Hause euers Vaters und Mutter, da ihr also reichlich und zärtlich gehalten waret! Ach wehe, mein aller liebster und edelster Gemahel, nun bin ich des Todes, wann ich kann ihm nicht entgehn. Um mich ist es ein kleiner, aber um euch ein großer Schaden; wann fürwahr, ihr seid die schönest auf Erden. O allmächtiger, ewiger, gütiger GOTT, ich befehle sie Dir in Deinen Schutz und Schirm! Du wollest sie bewahren vor allem Übel! Du weißt wohl, daß zwischen uns beiden ist kein unordentlich Lieb gewesen. Darum, o GOTT, aller betrübten Menschen ein Zuflucht, ich bitte Dich, Du wollest ihr helfen, und sie nicht verlassen; wann sie hat einen guten reinen Fürsatz gehabt. Du wollest sie nicht lassen verderben, und meine Seele lassen zu Deiner Seligkeit kommen, aus Deiner grundlosen Barmherzigkeit Dich über mich erbarmen! O aller liebste Magelona, ich werde euch nicht mehr sehen, noch ihr mich, unser Verlöbnis und Ehe hat ein kurze Zeit gewähret. Ach, wollt GOTT, ich wäre tot vor zweien Tagen vergangen gewesen, und ihr wäret wieder in euers Vaters Hause!“
Also weinet und beklaget der edel Peter mehr die Schöne Magelona dann sich selber. Er saß in der Mitten des Schifflins und wartet des Todes, wo ihn das Meer hin würf; wann er ließ es frei gehen, wo es hin wollten führen die Wellen des Meers. Er hätt auch Wassers genug bei sich in dem Kahn und ward gar naß. In dieser Gefährlichkeit blieb der Peter von Morgen an bis auf den Mittag.
Es begab sich auch, daß ein Raubschiff kam der Mohren, die sein ansichtig wurden, und sahen ihn alleine darher fahren, wie ihn der Wind führet. Sie zogen ihm zu, fingen ihn und satzten ihn in ihr Schiff. Aber der Peter war vor Leid halb tot, er erkennet sich selber nicht wohl und wußte nicht, wo er war. Da nun der Patron des Schiffes den Peter recht an sah, gefiel er ihm wohl; wann er war wohl gekleidet und schön. Und gedacht in sich selber, er wölle ihn dem Sultan schenken. Sie schifften so viel Tagreisen, bis sie kamen gen Alexandria.
Als sie darhin kamen, da schenket der Patron den Peter dem Sultan. Da ihn der Sultan ersehen hätt, da gefiel er ihm wohl, und danket dem Patron. Der Peter trug die gulden Ketten allwegen an seinem Halse, die ihm die Schön Magelona hätt geben; darum gedauchet den Sultan, daß er eines großen Geschlechts wäre. Er ließ ihn auch fragen durch einen Dolmetschen, ob er zu Tische dienen könne. Da antwortet ihm der Peter, ja. Also befahl der Sultan, man sölle ihn der Weise unterrichten. Der Peter lernet also wohl, daß er's ihnen allen vor tät. Auch gab GOTT der Allmächtige dem Sultan die Gnade, daß er den Peter lieb gewann, und also sehr, als wäre er sein eigener geborener Sohn gewesen.
Der Peter war auch nicht ein ganzes Jahr bei ihm, so unterstund er sich, aus Gnaden GOTTes des Allmächtigen, die Sprache wohl zu lernen, und redet gut mohrisch und griechisch. Und war also züchtig und freundlich, daß ihn jedermann am Hofe lieb gewann, als wäre er ihr eigener Sohn gewesen, oder Bruder. Es war auch seines gleichen nicht am Hofe mit aller Geschicklichkeit, daß alles durch ihn geschehen mußte bei dem Sultan. Das, was ihm befohlen war, zu tun und aus zu richten, das tät er mit ganzem Fleiß, derhalben er herfür gezogen ward. In dieser Ehren war der Peter bei dem Sultan.
Jedoch mochte er nie fröhlich werden, wann sein Herze war ihm allwegen schwere, so er gedacht an seine aller liebste Magelona; und hätte gewollt, er wäre in dem Meer ersoffen, darmit er solcher Schmerzen erlediget wäre worden. Also gedacht der Peter an sein traurig Leben, doch ließ er sich nichts merken, wie wohl sein Herze allwegen bei GOTT wäre; und tät ihn oft bitten, dieweil er ihm geholfen hätte aus der großen Fährlichkeit des Meers, daß er ihm auch helfe und Gnad verliehe, damit er das heilige Sakrament der Ehe möchte empfahen, eh er stürbe. Er gab auch viel Almosen den armen Christen von wegen seiner aller liebsten Magelona, und verhoffet, GOTT werde sie nicht verlassen.
Nun wollen wir von ihm lassen zu reden, und von der Schönen Magelona sagen.