Wie die Fischer an dem Ort eines Tags fischeten und fingen einen schönen Fisch, Meerwolf geheißen, und von wegen seiner Schöne schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin.

Eines Tages begab es sich, daß die Fischer des selben Ortes fischten in dem Meer, und fingen einen Fisch, Meerwolf genannt, der sehr schön war, darum schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin, die ihn mit großem Dank empfingen.

Als nun der Fisch durch die Diener in die Küchen ward getragen, ihn zu zu bereiten, da fand der, so ihn bereitet, in des Fisches Bauch einen Zendel, der war rot, in Gestalt eines Ballen oder Apfels. Und da sie solches sahen, da nahm's eine Maid und bracht's der Gräfin zu besehen, und saget: „Gnädige Frau, wir haben das gefunden in dem Fische.“

Das nahm die Gräfin und wickelt es auf und fand darinne liegen die drei Ringe, die sie ihrem liebsten Sohn Peter gegeben hätt, als er von ihr war gezogen. Und als sie die gesehen hätt, da kannt sie die Ringe, fing an, inniglich zu weinen und großen Unmut und Trauern zu führen. Und sprach: „Ach wehe, allmächtiger ewiger GOTT, nun bin ich sicher und genugsamlich berichtet, daß mein aller liebster Sohn tot ist. Nun bin ich aller meiner Hoffnung beraubt, ich werde ihn nimmer mehr sehen. O allmächtiger ewiger gütiger GOTT, was hat diese unschuldige Kreatur verwirket, daß ihn der Fisch hat verschlucket!“

Da die Gräfin also heulet und schrie, in dem kam der Graf, und als er das Geschrei erhöret, erschrak er sehr, und fraget, was das wäre, und ging also in ihre Kammer zu ihr. Als ihn die Gräfin ersah, saget sie zu ihm kläglich und weinend: „Ach wehe, wehe, wie bringet uns ein unvernünftig Tier also böse Mär von unserem liebsten Sohn Peter, die nicht ärger sein möchten!“ Und fing an, ihm zu sagen, wie sie hätten gefunden einen Zendel, darinne waren gelegen die drei Ringe, die sie ihm hätt gegeben, als er hinweg von ihnen zog. Und zeiget die Ringe dem Grafen.

Als er die ersah, da erkennet er sie als bald; und ward also betrübet, daß er sein Haupt leget auf das Bette, und fing an, kläglich zu weinen, wohl eine halbe Stunde. Darnach, als ein tugendreicher und beherzter Herre, kam er zu der Gräfin und tröstet sie auf das Beste, als er vermocht. Und sprach zu ihr: „Wisse, liebe Hausfrau, daß dieser Sohn nicht unser, sondern GOTT des Allmächtigen gewesen; wann Er hat ihn uns geben. Nun itzunder hat es Ihm wieder gefallen, mit ihm zu schaffen nach Seinem Göttlichen Willen, als mit Seinem eigenen Dinge. Darum söllen wir nicht zornig oder traurig sein. Hierum bitte ich dich, du wollest ab stellen deinen Unmut und Schmerz, und GOTT loben, daß Er ihn uns hat geschicket und geben. Und so du das wirst tun, so tust du ein Gefallen GOTT dem Allmächtigen und mir.“

Also bald befahl er seinen Dienern, hinweg zu nehmen die kostlichen schönen Teppich seines Palastes, und hieß, dar henken schwarzes Tuch durch sein ganzes Haus. Als solches die Untertanen erfuhren, wurden sie all traurig; wann sie hätten den jungen Grafen sehr lieb.

Nicht lang darnach hätt die Gräfin Willen, zu ziehen zu der Spitalerin, die Kirchen und Spital zu besuchen, und der Spitalmeisterin ihr Not zu klagen. Als sie zu ihr kommen und ihr Gebet in der Kirchen verbracht hätt, nahm sie die Spitalerin bei der Hand und führte sie in einen Betstuhl. Fing an, mit großem Seufzen und Schmerz ihr zu sagen, wie es ergangen wäre, und zu erzählen, wie daß sie kein Hoffnung mehr hätte, ihren liebsten Sohn zu sehen.