Solcher gnädigen Vertröstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget zu ihm: „Gnädiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr wollet mir gnädiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe gewesen, habe ich nichts von ihnen mögen erfahren. Darum bitte ich euch, mir gütlich und gnädiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine Beschwerung zu haben!“
Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu ihm: „Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du baß gehalten würdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden, der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewußt gewesen wäre, daß du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich hätte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so zeuch hin! Doch wirst du mir verheißen, so du Vater und Mutter besucht hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du tun als ein Weiser.“
Das verhieß ihm dann der Peter zu halten. Nach dem ließ der Sultan einen Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er käme, sollte man den Peter halten als ihn selber, und daß man ihm in allem behilflich wäre, des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in großer Menge und ander Kleinod.
Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb hätten. Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen hätt, da erbot er dem Peter große Ehr, und führet ihn in eine kostliche Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er sich mit allem dem, so ihm vonnöten war. Und nahm den Schatz, den ihm der Sultan geben hätt, und ließ sich vierzehen Lägel machen, die auf beiden Seiten gefüllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres und fand zu Glücke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren.
Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wölle mit ihm nehmen mit den vierzehen Lägeln. Und saget, er wölle sie in ein Spital geben; des wölle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes den Peter hätt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wäre des wohl zufrieden, daß er mit ihm zöge; aber der vierzehen Lägel halben wölle er ihm raten, er ließe sie hinter sich und führe sie nicht mit. Wann so er in Provincia käme, fünde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wölle ihn gut bezahlen, alleine, daß er's ihm führe; wann er wollt's darhin führen, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter gehört, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er sölle sein Salz in das Schiff legen, und was er mit sich gedächte zu führen. Wann mit GOTTes Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stünde.
Diese Nacht hätten sie guten Wind, und ließen die Segel auf ziehen und kamen glücklich in eine Insel, Sagona geheißen. Und funden allda süß Wasser. Der Peter war müde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder, und als er ging, da fand er die schönsten Blumen. Also setzet er sich mitten hinein und vergaß also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den Blumen eine, die war die schönste ob allen, von Farben und Geschmack. Er brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schön Magelona. Da fing er an zu sagen: „Wie diese Blume übertrifft alle anderen Blumen, also auch übertrifft die Schön Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen mit Schöne.“ Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden großen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wäre kommen. In diesen Gedanken ward er schläfrig und leget sich schlafen.
Die Weil stund auf ein guter Wind. Da ließ der Patron rufen, jedermann solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, daß der Peter nicht vorhanden war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie riefen laut, aber er schlief zu hart, daß er's nicht höret. Als sie ihn nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind hätt, die Zeit nicht versaumen, und hieß, die Segel auf spannen; und fuhren also darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen.
Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen Lägel funden, sagten sie zu dem Patron: „Was söllen wir tun mit den Lägeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben, dieweil er gesaget, er wölle sie in ein Spital geben.“ Da wurden sie eins unter einander, die Lägel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann sie vermeinten, sie könnten es nicht baß anlegen. Da ging der Patron zu der Spitalmeisterin und saget ihr, daß der Herr der Lägel wäre verloren worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT für seine Seele bitten.