Sobald die Jungen ausgeschlüpft sind, fangen sie an, wie alle Hühnerarten, zu laufen. Man läßt sie gewöhnlich 24 Stunden, ohne ihnen etwas zu geben. Hernach setzt man die Mutter mit den Kleinen in ein Ställgen, welches man alle Tage auf das Feld an einen Ort trägt, wo Getraide, Gerste, Rasen und besonders Ameiseneyer anzutreffen sind. Dieser Kasten oder Stall muß eine Art von Dach haben, welches man, je nachdem es die Umstände erfodern, abnehmen und wieder aufsetzen kann. Er muß auch einen Unterschied haben, worinn die Mutter durch ein Gegitter verschlossen ist, durch welches die Jungen kommen können. Uebrigens läßt man diesen die Freyheit, nach Gutfinden aus oder einzugehen. Das Gluchzen der gefangenen Mutter und die Nothwendigkeit, sich von Zeit zu Zeit unter ihren Flügeln zu erwärmen, ruft sie schon von selbst immer wieder zurück und verhindert sie, sich weit zu verlaufen. Man nimmt gemeiniglich zwey oder drey Bruten von ungefähr gleichem Alter zusammen, um nur Eine Mutter beschäftigen zu dürfen. Denn, nach der Abhandlung von dem Instinkt der Thiere in dem Dictionnaire encyklopedique, stellt sich zwar das Fasanhuhn zur Vertheidigung seiner Jungen nicht vielen Gefahren blos, hingegen besitzt es eine allgemeine Neigung zu allen Jungen von seiner Art, und alle mutterlose Fasanen haben die Erlaubniß, dieser gutwilligen Mutter zu folgen.
Man ernährt anfänglich die jungen Fasanen, wie alle Küchelgen, mit einem Gemenge von hartgesottenen Eyern, Brodbrosamen, Lattichblättern, alles zusammen gehackt, und mit Eyern von Wiesenameisen. Man muß aber in dieser ersten Zeit eine gedoppelte Vorsicht gebrauchen. Die erstere besteht darinn, daß man sie gar nicht trinken, und nicht eher auf das Feld läßt, als bis der Thau verschwunden ist, weil sie in diesem Alter die Feuchtigkeit gar nicht vertragen können; die andere aber, daß man ihnen wenig und oft und zwar gleich Morgens zu fressen gibt und immer Ameiseneyer unter die andern Nahrungsmittel menget.
Im zweyten Monat kann man ihnen schon stärkeres Futter geben: Eyer von Waldameisen, türkisch Korn, Waizen, Gerste, Hirsen, gemahlene Bohnen, auch nach und nach mehr Zwischenzeit zwischen jeder Fütterung verfließen lassen. Um diese Zeit fangen sie an, vom Ungeziefer zu leiden. Die meisten Neuern empfehlen, um sie davon zu befreyen, ihren Kasten zu reinigen, oder alles davon, sein kleines Dach ausgenommen, welches ihnen Schutz gibt, hinwegzunehmen. Allein Olina gibt einen Rath, den schon Aristoteles ertheilt hatte und der der Natur dieser Thiere angemessener scheint, da sie von den Vögeln sind, die sich im Staube wälzen und umkommen, wenn sie sich nicht stäuben können. Er will nemlich, man solle ihnen in die Nähe kleine Haufen von trockner Erde oder sehr feinem Sand setzen, worinn sie sich baden und von den Stichen des Ungeziefers befreyen können.
Man räth auch wider die Läuse, welche Anfangs an den Köpfen und unter den Flügeln sitzen, sie an diesen Orten mit frischem Baumöl zu bestreichen, oder Quecksilber in Rheinbergschmeer zu tödten und sie damit zu schmieren, doch ja nicht zu viel, und sie alsdann recht warm zu halten, damit sie abtrocknen können. Vielleicht würde Thran noch bessere Wirkung thun, als Baumöl, wenigstens hat man ihn in diesem Falle bey zahmem Geflügel vortreflich gefunden und manches gerettet, welches schon so gut, als verlohren, schien.
Man muß ihnen auch reines Wasser geben und das alte oft wegnehmen, weil sie sonst leicht den Pips bekommen, wider welchen, nach den Neuern, wenig Rath ist, obgleich Palladius sagt, man solle ihnen denselben, wie den Hühnern, nehmen und den Schnabel mit Knoblauch reiben, den man in flüssigem Pech gestoßen hat.
Sie sind auch der Dürre und dem Durchfall unterworfen. Im erstern Fall schabt man ihnen den Schnabel ein wenig ab, gibt ihnen frischen Quarkkäß ein, ropft eine Schwingfeder aus den Flügeln, zieht sie durch die Nase und läßt sie stecken, bis sie selbst heraus fällt, und wenn über dem Schwanz ein weißes Blütgen wird, so öfnet man solches und drückt es aus. Im zweyten Fall aber legt man ihnen Eisenkraut, Feldkümmel und Gundermann in das Saufen. Man nimmt auch, wenn sie kränklich thun und man nicht errathen kann, was ihnen fehlt, Senfkörner, die man klein stößt, mit Butter vermischt und Kugeln daraus macht, die man ihnen eingibt.
Im dritten Monat bedrohen die jungen Fasanen neue Gefahren. Die Schwanzfedern fallen ihnen alsdann aus und es kommen neue. Auch hier sind die Ameiseneyer ein gutes Mittel: denn sie beschleunigen den kritischen Zeitpunkt und vermindern die Gefahr; nur muß man ihnen nicht zu viel geben.
So wie die Jungen größer werden, nähert sich ihre Diät auch immer mehr der Alten ihrer, und nach drey Monaten kann man sie an den Ort bringen, den man mit ihnen bevölkern will. Allein man muß sie nach und nach aus ihrer Hausthierschaft zu dieser Art von Freyheit gewöhnen und anfänglich den Kasten, in dem die Brut ist, an den Ort bringen, wo man sie loslassen will; man muß ihnen ferner das Futter geben, so sie am meisten lieben, aber nie auf dem alten Platz, und immer davon abziehen, damit sie genöthiget werden, das selbst zu suchen, was ihnen bekommt und sich mit dem Felde bekannt zu machen. Wenn sie im Stande sind, ihren Unterhalt selbst zu finden, so kann man ihnen die Freyheit geben und sie der Natur überlassen; sie werden alsdann bald eben so wild werden, als die, so in Wäldern geheckt sind, nur mit dem Unterschied, daß sie eine Art von Liebe zu den Oertern behalten, wo sie in ihrem ersten Alter gut behandelt wurden.
Man hat es versucht, Fasanen mit fremden Gattungen zu paaren, und der Versuch ist nicht ohne allen Erfolg gewesen, man hat aber viele Sorgfalt und Vorsichtigkeit anwenden müssen. Man hat einen jungen Fasanhahn genommen, der sich noch mit keiner Fasanhenne gepaart hatte, solchen in einen engen Ort eingesperrt, der nur von oben ein schwaches Licht empfieng und junge Hühner für ihn gewählt, deren Gefieder der Fasanhenne am ähnlichsten sahe; man hat diese Hennen in ein Häuschen gesperrt, das an des Fasans seines stieß und nur durch eine Art von Gegitter davon unterschieden war, welches Oeffnung genug hatte, daß Kopf und Hals, nicht aber die ganzen Vögel, durchkonnten. Solchergestalt hat man den Fasan gewöhnt, die Hühner zu sehen und sogar mit ihnen zu leben, indem man ihnen das Futter blos an das Gegitter gab. Wenn die Bekanntschaft gemacht war und man die Zeit der Liebe herankommen sahe, hat man den Fasanhahn und seine Hennen mit lauter Futter genährt, welches die Neigung zum Paaren erhitzte, und wenn diese sich zu erkennen gab, hat man die Scheidewand aufgehaben. Inzwischen ist es doch geschehen, daß der Fasan zuweilen die ersten Hennen, die man ihm gab, gemißhandelt und sogar getödet hat. Wollte er sich nicht geben, so hat man seinen Schnabel auf beyden Seiten mit glühendem Eisen berührt und ihn auf eine schickliche Weise zur Liebe erhitzt. Endlich hat der Fasan sichs gefallen lassen, sich aus dringender Noth mit gemeinen Hennen zu paaren, und man hat Eyer bekommen, die, wie der Fasanhenne ihre, schwarz punktirt, aber weit gröser waren, und aus ihnen sind Bastarte hervorgekommen, die von beyden Gattungen etwas an sich hatten und, nach Einigen, weit besser, als die ächten, schmeckten, aber unfähig waren, ihre Raçe fortzupflanzen. Doch versichert Longolius, daß solche Blendlingsweibchen, mit ihrem Vater gepaart, ächte Fasanen zeugten. Man hat sichs auch zum Gesetze gemacht, dem Fasanhahn Hennen zu geben, die noch nie getreten worden und ihm zu jeder Brut neue Gattinnen beyzulegen. Le Roi hat bemerkt, das freye Fasanen niemals Hühner, die sie antreffen, treten, und versichert, daß wenn sie sich ja zuweilen an die Henne machten, diese es nicht zugäbe.
Der Fasan soll ein dummer Vogel seyn, der sich schon sicher glaubt, wenn er nur den Kopf versteckt hat und den man in allen Schlingen fangen kann. Wenn man ihn mit dem Hund jagt und er gestellt worden ist, so sieht er den Hund steif an, so lang er vor ihm steht und läßt dem Jäger alle Zeit, ihn sicher zu schießen. Man darf ihm nur sein eigen Bild oder einen rothen Fleck auf einem weißen Tuche vorhalten, um ihn in die Schlinge zu locken. Man legt auch Schleifen oder Garne auf den Weg, den er Morgens geht, um zu saufen. Endlich baizt man ihn auch mit dem Raubvogel, und gibt vor, daß die, so auf diese Weise gefangen werden, die zärtesten und schmackhaftesten seyen. Im Herbst sind sie am fettesten. Vor den Hunden drückt er sich, wie die Rebhühner, auf die Erde nieder.