Tafel IV
Ferd. Clauß phot.
Bergdorf in der Pfalz
Hofphotograph C. Eberth, Cassel, phot.
Hessisches Dorf
Draußen in den hellen Buchenhallen, unter den dunkeln Spitzbogen des Tannenwaldes, am Ufer des leichtbewegten blauen Sees oder inmitten des Felsens eines rauschenden Wildbachs fällt so viel von selber ab an Dünkel und Torheit, an Abneigung und Pharisäertum zwischen den Menschen, weil sie dem Leben des ewigen All so viel näher sind als sonst. Beim Einatmen der gleichen reinen Gottesluft würden sie – wenn ihnen der Vorgang zum Bewußtsein käme – nicht aus dem Staunen darüber herauskommen, was ein Mensch zwischen Mauern und Dächern doch oft ein fataler Herr und draußen unter grünen Zweigen und freiem Himmel ein lieber Kerl sein kann.
Daß die Protektion und die Beonkelung der Wanderbewegung in der Richtung der Organisation ganz bedeutende Verdienste hat, das wird gern und freudig anerkannt.
Ich will hier nicht die Gelegenheit ergreifen, um zu untersuchen, inwieweit »Wandern« und »Organisation« eigentlich eine Contradictio in adjecto (ein Widerspruch im Beiwort) sind. Auf die Theorie kommt es hier gar nicht an, sondern nur darauf, inwieweit die organisatorische Zusammenfassung den inneren Kern, die Wanderlust und vor allem den Wert des Wanderns erhöht oder vermindert. Und da hat nun die Entwicklung der letzten Jahre eines unzweifelhaft erwiesen: Die Wanderbewegung hat zu einem großen Teil nicht mehr ihren Zweck in sich selbst, sondern sie ist Mittel zu Zwecken geworden, welche viele der jungen, frohen Gesellen nicht ahnen. Ein großer Teil der in großen Verbänden organisierten jungen Wanderer befinden sich, ohne es zu wissen, unter einem Einfluß, dessen Tendenzen die schon unter den Erwachsenen vorhandenen Klassengegensätze noch verschärfen. Welche Klasse, ob die »besitzende« oder »nichtbesitzende«, damit angefangen hat, die wandernde Jugend zu bearbeiten, soll hier nicht untersucht werden, ebensowenig, als hier überhaupt Anklagen erhoben werden sollen. Es sollen nur Dinge gesagt werden, die bisher kaum einmal gesagt wurden. Und da muß das eine ausgesprochen werden: