Die deutschen Lande.
Wir müssen uns das Paradies selber bauen in der nordischen Heimat – schreibt Hermann Hesse von seiner Ceylonreise. Diese Heimat ist das Deutschland, wo – um unbescheiden bei der eigenen Heimat anzufangen – der Rhein einen zärtlichen Ellenbogen um ein herbes Bergland macht, um ein Land einfacher Linien, aber auch voll grüner Waldverworrenheit und gesegnet mit einer Ruhe, die nicht erschlafft, sondern ermuntert zu tätigem Leben. Daneben lebt auf einer Hochebene das Volk der Sueven, die gerade nicht darauf erpicht sind, ihrem Namen (die Sanften) unter allen Umständen Ehre zu machen, die aber zwischen eintönigen, von schmalen Flüssen durchwundenen Rebbergen und in alten feinen Städten, angefüllt von dem eigensinnigen Formen- und Farbengeschmack der Schwaben, ein Leben voll rüstiger Ehrlichkeit und geschmeidiger Klugheit führen. Das deutliche Selbstbewußtsein, dem deutschen Vaterland eine nicht geringe Zahl von Männern geschenkt zu haben, deren Name lange nicht mit ihrem Todestag verschwand, fehlt ihnen dabei nicht.
Phot. E. Braun.
Hochtal im Schwarzwald.
Weiter dem Osten zu, auf einer noch rauheren Hochebene, haben die markomannischen Fäuste und die glaubensstarken Köpfe der Oberbayern nicht verhindern können, daß dort ein sonderbares Großstadtgebilde aufblühte, in dem neben einem angeborenen Sinn für Darstellung eine große Zahl von Männern und Frauen in zähem Lebenskampf hochwertige Kulturarbeit leistet, und zwar von solcher Bedeutung, daß die »Kunstmetropole des Südens« den Namen eines modernen »Capua« leicht auf die Achsel nehmen kann. Durch den blauen Alpenkranz, der sich um die Stadt schlingt, kommt Deutschland auch noch in die Reihe jener Staaten, die nicht ohne den Diademschmuck ewigen Schnees geblieben sind.
Hofphot. C. Eberth, Cassel.
Schwälmer Mädchen.