Phot. Wilh. Bandelow.

Hamburger Flet bei Ebbe.

Wir haben oben von einem der eigentümlichsten Städtegebilde in der südöstlichen Ecke des Reiches gesprochen, von München. Es hat seinen fast künstlerisch kontrastartig wirkenden Gegensatz im Nordwesten Deutschlands. Den Abschluß der dem Süddeutschen in der grandiosen Einfachheit ihrer Linien und in dem fast holländischen Zauber der wassergesättigten Atmosphäre nicht ohne weiteres verständlichen Landschaft der roten Heide, der samtgrünen Marsch, der schwarzen Moorwildnisse, der verträumten Schilfufer und der waldigen Hügelhänge an dem meergleichen Strom, der schimmernden Obstwälder und der gelben Sanddünen, der stillen Deiche und der rollenden Wogen – diesen Abschluß bildet die bedeutungsvollste und lebendigste aller deutschen Städte: Hamburg. Während der Rhein, dem granitenen Leibe der Alpen entsprungen, doch immer im engen Felsenbett dahinrollt und wenigstens bis zu seiner holländischen Deltaversandung an alten Burgen, hohen Domen, Rebenhügeln und fruchtbaren Gefilden dahinrauscht, und er eigentlich doch immer nur das große, sagenumwobene Idyll eines Flusses ist, entwickelt sich die dem Busen des Riesengebirges entquellende Elbe auf verhältnismäßig kürzerem Lauf durch sozusagen nüchternes Land zur monumentalen Größe, die zu unserem technisch merkantilen Zeitalter eher passen will als die Poesie des romantischen Rhein! Berlin ist ja zweifellos politische Reichshauptstadt. Aber das Tor, das uns mit allen Erdteilen verbindet und bei aller merkantilen Einseitigkeit doch das Sigillum der zukünftigen Groß-Großstadt Deutschlands schon jetzt an der Stirn trägt, ist Hamburg. Wer's nicht glaubt, mag selbst hingehn. Das kann durch keine Statistik, durch keine politischen Reden, sondern nur durch die Augen erschaut und erfaßt werden.

Tafel VIII

Gottheil & Sohn, Königsberg, phot.

Ostpreußische Küstenlandschaft

R. Hilbert phot.

In der Norddeutschen Tiefebene