Es ist ein friedlich-stilles Plätzchen. Ringsum rauschen die alten Eichen, und von dem nahen Hügel, auf welchem die von treuen Anhaltinern gestiftete Hirschgruppe steht, grüßen die dunklen Tannen, und der Blick schweift über Schloß und Park und über ein schönes, freundliches Stück des Sachsenwaldes.

Hier wurde er am 16. März 1899 gebettet. Das ganze deutsche Volk war im Geiste zugegen, als sein großer Kanzler den letzten Pfad zurücklegte, und Hunderttausende haben es beklagt, daß es aus mancherlei Gründen nur einer kleinen Zahl Leidtragender vergönnt war, das ganze deutsche Volk in jener Weihestunde vertreten zu dürfen. Der deutsche Kaiser hat auch diesmal nicht gefehlt.

Beim dumpfen Klange des Chopinschen Trauermarsches bewegt sich der Zug aus dem Schlosse. Der Regimentskapelle folgt in weitem Abstande die Leichenparade, und längs des ganzen Weges flammt das Licht vieler tausend Fackeln auf, von deren düsterer Glut bestrahlt der Leichenkondukt langsam vorwärtsschreitet. Überall entblößte Häupter – Totenstille – auch die Natur hält den Atem an. Nun naht der Sarg der Fürstin, die an des Gatten Seite ruhen soll, und schwankt, von Kränzen beladen, auf den Schultern der in altspanische Tracht gekleideten Träger. Ihm folgt in einigem Abstande der Sarg des Kanzlers. Eine aus Lorbeer gewundene Fürstenkrone liegt zu Häupten. An den Seiten der Träger gehen im Schmuck der blinkenden Waffen Seydlitzkürassiere. Und unmittelbar hinter dem Sarge, an der Seite des Fürsten Herbert Bismarck, schreitet in der Uniform der Halberstädter Reiter der Kaiser, den blitzenden Stahlhelm auf dem Haupte, das bleiche Angesicht gesenkt.

Mit dem zwölften Glockenschlage werden die Särge in der Kapelle des Mausoleums vor dem kleinen Altare niedergesetzt, mit gezogenen Säbeln, starr wie Bildsäulen, stehen die Kürassiere. Auch der Kaiser läßt sich nicht nieder während der Feier. Der Lieblingschoral der verewigten Fürstin klingt durch die Halle: »Die wir uns allhier beisammen finden«, der Geistliche spricht kurze, erhebende Worte, dann kam wieder Orgelton und frommer Gesang des Liedes: »Mach End’, o Herr, mach Ende«! … Drei Salven der hinter dem Mausoleum aufgestellten Ehrenkompagnie dröhnten dazwischen … dann war alles zu Ende. – Die Gruft schloß sich über dem besten und größten Sohne Deutschlands!

Aber von ihm wird ein Singen und Sagen gehen bis in die fernsten Zeiten, und solange es ein Deutsches Reich und ein deutsches Volk geben wird, wird es zu seinen schönsten und edelsten Pflichten zählen, in ehrenvollster Erinnerung zu bewahren die große Zeit der Erneuerung des Reiches, den herrlichen Kaiser Weißbart und den Mann, der Deutschland in den Sattel gehoben hat, den eisernen Kanzler.

Setzmaschinensatz und Druck von A. Seydel & Cie., G. m. b. H., Berlin S.W.

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