»Na, einmal war das Warten langweilig, und zum anderen habe ich mir Luft machen müssen.«
»Na, – was hast’, was kneipt dich denn so sehr?«
»O, diese ewige Schikane mit dem französischen Lehrer ist nachgerade unerträglich. Und wenn ich nun denke, daß ich eine Probearbeit bei ihm machen soll, da wurmt’s mich, und mir schwillt die Galle. Darum hab’ ich mir ein bißchen Luft machen müssen.«
»Na, und dazu muß der unschuldige Bücherschrank herhalten?«
»Ja, warum bist du auch nicht zu Hause, wenn man einen teilnehmenden Menschen braucht!«
»Rat weiß ich aber auch jetzt keinen. Wenn du nicht französisch arbeiten willst, dann mach’s doch englisch – ihr könnt euch ja die Sprache wählen, soviel ich weiß!«
»Na, das ist Fopperei, Bernd! Du weißt recht gut, daß ich kein Englisch getrieben habe. Aber ich will dir auch was sagen. Ihr sollt sehen, was Otto von Bismarck leisten kann. Ich mache keine französische Probearbeit! Schön Dank auch für den guten Rat – Adieu!«
Er war hinaus und eilte heimwärts. Bald darauf saß er in seiner Giebelstube über der englischen Grammatik, und nun studierte er darauflos, als ob davon das Heil der Welt abgehangen hätte. Als es zur Probearbeit kam, wählte er zur Verblüffung des französischen Lehrers und zum Staunen der anderen die englische Sprache. Und er hat sein Examen bestanden, und bestand es auch in den übrigen Fächern in ehrenvoller Weise.
Leb wohl, du graues Kloster in Berlin!
So vergnügt ist er noch niemals ins Pommernland heimgefahren wie diesmal, da die Gymnasialzeit hinter ihm, dem Siebzehnjährigen, liegt, und die Phantasie ihm fröhliche und leuchtende Bilder entrollt von der »Burschenherrlichkeit« und von lebensfroher Studentenzeit! Schöner und weiter schien ihm die Welt, und der Hornklang seines Postillons hallte diesmal wundersam wieder in der freien, zukunftsfrohen Jünglingsseele. Ein glückliches Menschenkind traf mit dem erwachenden Lenze des Jahres 1832 im alten Kniephof wieder ein.